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Eine '''Warft''' (auch Warf, Werfte u.a.) ist ein künstlich angelegter (selten natürlicher), aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel, der dem Schutz von Menschen und Tieren bei Sturmfluten dienen soll. Vor dem Beginn des Deichbaus in Ostfriesland um das Jahr 1000 waren Warften der einzige Schutz vor Sturmfluten. Der Vorteil von Warften war, dass diese - im Vergleich zu einem Deich - relativ schnell erbaut waren. Außerdem wurden durch den Bau von Deichen auch Entwässerungsmaßnahmen notwendig, denn diese hielten das Wasser letztlich auf beiden Seiten zurück. Der größte Nachteil von Warften ist und war jedoch, dass sie nicht die für den Lebensunterhalt notwendigen Felder schützten. So waren die Felder nach Überflutungen regelmäßig zerstört und versalzen, die Ernte damit verloren.
Eine '''Warft''' (auch ''Warf'', ''Werfte'' u.a.) ist ein künstlich angelegter (selten natürlicher), aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel, der dem Schutz von Menschen und Tieren bei Sturmfluten dienen soll. Vor dem Beginn des Deichbaus in Ostfriesland um das Jahr 1000 waren Warften der einzige Schutz vor Sturmfluten. Ursprünglich wurden die Warften gebaut, um ganze Siedlungen zu schützen und hatten daher beachtliche Ausmaße. Warften für einzelne Gehöfte oder Gebäude wurden erst später angelegt.<ref>[http://www.flecken-hage.com/Hage-Home.htm Geschichte des Deichbaus], abgerufen am 20. Dezember 2021</ref> Noch heute befinden sich viele alte Gebäude, vor allem Gulfhöfe in der [[Westermarsch]] und der [[Ostermarsch]] auf Warften, da diese Gegenden im Vergleich zur Norder Kernstadt, relativ tief liegen. Aber auch die [[Andreaskirche]] mitten im Stadtkern wurde ursprünglich auf einer Warft erbaut. Heute befindet sich dort der [[Alter Friedhof|Alte Friedhof]].


Noch heute befinden sich viele alte Gebäude, vor allem Gulfhöfe in der [[Westermarsch]] und der [[Ostermarsch]] auf Warften, da diese Gegenden im Vergleich zur Norder Kernstadt, relativ tief liegen. Aber auch die [[Andreaskirche]] mitten im Stadtkern wurde ursprünglich auf einer Warft erbaut. Heute befindet sich dort der [[Alter Friedhof|Alte Friedhof]].
Der Vorteil von Warften war, dass diese - im Vergleich zu einem Deich - relativ schnell erbaut waren. Außerdem wurden durch den Bau von Deichen auch Entwässerungsmaßnahmen notwendig, denn diese hielten das Wasser letztlich auf beiden Seiten zurück. Der größte Nachteil von Warften ist und war jedoch, dass sie nicht die für den Lebensunterhalt notwendigen Felder schützten. So waren die Felder nach Überflutungen regelmäßig zerstört und versalzen, die Ernte damit verloren. Daher waren die Felder auch die ersten, die von ''Ringdeichen'' umschlossen wurden, während die Wohnhäuser zunächst weiter auf Warften gebaut wurden.


Neben ihrer primären Aufgabe - dem Schutz von Hab und Gut vor Sturmfluten - dienten die Warften auch dem Schutz vor dem Binnenwasser, welches seinerzeit insbesondere im Winter wegen des allgemein höheren Grundwasserspiegels, dem schweren Marschboden und einem unzureichenden Entwässerungssystem nur schwer abfließen konnte.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 37</ref>
__NOTOC__
==Kalkwarf==
==Kalkwarf==
Eine ''Kalkwarf(t)'' bezeichnet einen Standort, an dem sich eine Kalkbrennerei befindet. Hier wurde Kalk aus Muscheln gewonnen.
Eine ''Kalkwarf(t)'' bezeichnet einen Standort, an dem sich eine Kalkbrennerei bzw. [[Kalkmühle]] zur Gewinnung von Kalk aus Muscheln befindet. Es sind mehrere Standorte überliefert, so etwa [[Am Kalkwarf]], auf dem [[Zuckerpolder]], nahe der [[Ziegelei (Westermarsch I)|Alten Ziegelei zu Westermarsch I]], am Ende der [[Sielstraße]], auf dem [[Eilandje]] oder gegen des [[Torflöschungsplatz|Torflöschungsplatzes]] am [[Berumerfehnkanal]].


==Warfsleute==
==Warfsleute==
Als ''Warfsleute'' wurden Eigentümer kleinerer Höfe oder Häuser genannt, die auf Warften standen. Sie standen damit in der sozialen Hierarchie über den Arbeitern, aber unter den [[Herdbesitzer|Herdbesitzern]]. Sie hatten dementsprechend geringere Rechte. So besaßen sie keine ganzen Stimmen bei den Wahlen zum Landtag und in kirchlichen und schulischen Angelegenheiten, wie zum Beispiel der Wahl des Schulmeisters (Lehrers). In den [[Gemeinweide|Gemeinheiten]] durften sie wenig Vieh weiden lassen, auch der Nutzungsanteil am kollektiven Ackerland war begrenzt.  
Als ''Warfsleute'' wurden Eigentümer kleinerer Höfe oder Häuser genannt, die auf Warften standen. Sie standen damit in der sozialen Hierarchie über den Arbeitern, aber unter den [[Herdbesitzer|Herdbesitzern]]. Sie hatten dementsprechend geringere Rechte. So besaßen sie keine ganzen Stimmen bei den Wahlen zum Landtag und in kirchlichen und schulischen Angelegenheiten, wie zum Beispiel der Wahl des Schulmeisters (Lehrers). In den [[Gemeinweide|Gemeinheiten]] durften sie wenig Vieh weiden lassen, auch der Nutzungsanteil am kollektiven Ackerland war begrenzt.  
==Trivia==
Der römische Offizier Pilnius, der während der Germanenkriege im 1. Jahrhundert nach Christus in die Region kam, schrieb in seinen Berichten davon, dass hier ''"ein beklagenswertes Volk hohe Erdhügel, die mit Maßgabe der höchsten Flut errichtet sind"'' bewohne und dass die Menschen auf diesen bei Flut Seefahrern, bei Ebbe jedoch Schiffbrüchigen gleichen.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 27</ref>
==Einzelnachweise==
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==