Feuerwehr Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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===Anfänge des Feuerlöschwesens=== | ===Anfänge des Feuerlöschwesens=== | ||
Die Anfänge des gesetzlich geregelten Feuerlöschwesens in der [[Stadt Norden]] gehen auf die [[Brandordnung|Brandordnung von 1783]] zurück. Diese wurde vom [[Magistrat]] auf Vorschlag mehrerer Norder Bürger erarbeitet und nach Genehmigung durch die preußischen Behörden am 8. Mai des Jahres öffentlich verkündet. Die Brandordnung regelte erstmal das Verhalten der Norder Bevölkerung bei einem Brandfall und enthielt grundsätzliche Vorschriften für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz. So wurde beispielsweise jeder Haushalt gesetzlich verpflichtet, mindestens einen Löscheimer vorzuhalten. Alle männlichen Einwohner der Stadt, die das 17. Lebensjahr vollendet hatten und nicht wegen höherer Pflichten vom Dienst befreit waren, hatten im Brandfall Hilfe zu leisten. Geleitet wurden die Lösch- und Rettungsmaßnahmen von den [[Rottmeister|Rottmeistern]], den Vorstehern der [[Rott|Rotten]].<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 20f.</ref> Dies waren historische Unterbezirke. | Die Anfänge des gesetzlich geregelten Feuerlöschwesens in der [[Stadt Norden]] gehen auf die [[Brandordnung|Brandordnung von 1783]] zurück. Diese wurde vom [[Magistrat]] auf Vorschlag mehrerer Norder Bürger erarbeitet und nach Genehmigung durch die preußischen Behörden am 8. Mai des Jahres öffentlich verkündet. Die Brandordnung regelte erstmal das Verhalten der Norder Bevölkerung bei einem Brandfall und enthielt grundsätzliche Vorschriften für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz. So wurde beispielsweise jeder Haushalt gesetzlich verpflichtet, mindestens einen Löscheimer vorzuhalten. Alle männlichen Einwohner der Stadt, die das 17. Lebensjahr vollendet hatten und nicht wegen höherer Pflichten vom Dienst befreit waren, hatten im Brandfall Hilfe zu leisten. Geleitet wurden die Lösch- und Rettungsmaßnahmen von den [[Rottmeister|Rottmeistern]], den Vorstehern der [[Rott|Rotten]].<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 20f.</ref> Dies waren historische Unterbezirke. | ||
[[Datei:Feuerwehr | [[Datei:Norder Hafen Sägemühle Übung Feuerwehr Gemälde van Lengen 1819.jpg|mini|Das wohl früheste Bildnis einer Feuerwehr zeigt Norder Bürger bei einer Löschübung an der [[Sägemühle Frericks|Sägemühle]] im [[Norder Hafen]] (1819). Gemälde des [[Hinrich Adolf von Lengen]].]] | ||
Im Bereich des heutigen [[Hotel Reichshof|Hotels Reichshof]] ([[Hooge Thun]]) wurde ein [[Spritzenhäuser|Spritzenhaus]] eingerichtet. Die erste moderne Löschspritze der Stadt wurde 1784 für 658 Gulden in Amsterdam erworben und verfügte über einen ca. 20 Meter langen Schlauch, der weitere 21 Gulden kostete.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172</ref> Daneben waren noch zwei veraltete Spritzen vorhanden. Das [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus]] der [[Stadtwache]] neben dem [[Glockenturm]] sowie der Turm selbst wurden zu einem Spritzenhaus umfunktioniert. Im Jahr 1806 wurde ein weiteres Spritzenhaus in der [[Dammstraße]] erbaut. 1821 wurde ein Norder Kupferschmied mit dem Bau einer neuen Spritze beauftragt, die nach Behebung einiger Mängel am 18. Juli 1822 in den Dienst gestellt werden konnte. 1827 bestellte man in Hannover eine weitere Spritze, diesmal jedoch ohne Wagen. Vielmehr sollte aus Kostengründen ein älterer Wagen genutzt werden, der seinerzeit jedoch schon 43 Jahre alt war. | Im Bereich des heutigen [[Hotel Reichshof|Hotels Reichshof]] ([[Hooge Thun]]) wurde ein [[Spritzenhäuser|Spritzenhaus]] eingerichtet. Die erste moderne Löschspritze der Stadt wurde 1784 für 658 Gulden in Amsterdam erworben und verfügte über einen ca. 20 Meter langen Schlauch, der weitere 21 Gulden kostete.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172</ref> Daneben waren noch zwei veraltete Spritzen vorhanden. Das [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus]] der [[Stadtwache]] neben dem [[Glockenturm]] sowie der Turm selbst wurden zu einem Spritzenhaus umfunktioniert. Im Jahr 1806 wurde ein weiteres Spritzenhaus in der [[Dammstraße]] erbaut. 1821 wurde ein Norder Kupferschmied mit dem Bau einer neuen Spritze beauftragt, die nach Behebung einiger Mängel am 18. Juli 1822 in den Dienst gestellt werden konnte. 1827 bestellte man in Hannover eine weitere Spritze, diesmal jedoch ohne Wagen. Vielmehr sollte aus Kostengründen ein älterer Wagen genutzt werden, der seinerzeit jedoch schon 43 Jahre alt war. | ||
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Die Zusammenarbeit mit Metz und die Qualität seiner Ware führten dazu, dass im August 1877 eine weitere Spritze bestellt wurde, welche bereits im Dezember des Jahres eintraf. Auch diese Investition war lohnenswert und schon bald sprach sich in der Stadt die Anschaffung um, sodass der [[Kriegerverein Norden]] beim [[Magistrat]] anregte, eine Freiwillige Feuerwehr zur Unterstützung der Pflichtfeuerwehr aufzustellen, die alleine kaum in der Lage war, alle Spritzen zu bedienen. Der Magistrat sah sich jedoch dazu nicht im Stande und lehnte das Ersuchen mit der Begründung ab, hoheitliche (staatliche) Aufgaben nicht auf einen privaten Verein abgeben zu wollen. | Die Zusammenarbeit mit Metz und die Qualität seiner Ware führten dazu, dass im August 1877 eine weitere Spritze bestellt wurde, welche bereits im Dezember des Jahres eintraf. Auch diese Investition war lohnenswert und schon bald sprach sich in der Stadt die Anschaffung um, sodass der [[Kriegerverein Norden]] beim [[Magistrat]] anregte, eine Freiwillige Feuerwehr zur Unterstützung der Pflichtfeuerwehr aufzustellen, die alleine kaum in der Lage war, alle Spritzen zu bedienen. Der Magistrat sah sich jedoch dazu nicht im Stande und lehnte das Ersuchen mit der Begründung ab, hoheitliche (staatliche) Aufgaben nicht auf einen privaten Verein abgeben zu wollen. | ||
[[Datei:Neuer Weg Ecke Dammstraße Brand Gemälde van Lengen 1820.jpg|mini|Gebäudebrand an der [[Dammstraße]], Ecke [[Neuer Weg]] (1820). Gemälde des [[Hinrich Adolf von Lengen]].]] | |||
=== Gründungsgeschichte === | === Gründungsgeschichte === | ||
[[Datei:Feuerwehr Norden Leiterwagen Leiteranhänger 1936 01.jpg|mini|Ein Leiterwagen bzw. -anhänger (Aufnahme von 1936).]] | |||
So kam es, dass der gerade erst gewählte Bürgermeister [[Johannes König|Johannes Adalbert König]] am 13. August 1886 Augenzeuge des Brandes der [[Frisiamühle]] wurde. Die Mühle, die damals noch am äußersten Stadtrand von Norden lag, fiel den Flammen zum Opfer, da die chaotischen Umstände und die mangelnde Ausbildung dazu führte, dass die Löschmaßnahmen kaum Wirkung zeigten. Dieses Ereignis nahm Bürgermeister König zum Anlass und forderte den [[Magistrat]] zum Erlass einer neuen ''Feuerpolizeiverordnung'' auf. Von diesen Namen darf man sich nicht verwirren lassen, der Begriff ''Polizei'' wurde früher synonym für die Verwaltung gebraucht. Auch andere Behörden und Ämter trugen den Bestandteil im Namen (Gesundheitspolizei, Baupolizei, Gewerbepolizei, ...). | So kam es, dass der gerade erst gewählte Bürgermeister [[Johannes König|Johannes Adalbert König]] am 13. August 1886 Augenzeuge des Brandes der [[Frisiamühle]] wurde. Die Mühle, die damals noch am äußersten Stadtrand von Norden lag, fiel den Flammen zum Opfer, da die chaotischen Umstände und die mangelnde Ausbildung dazu führte, dass die Löschmaßnahmen kaum Wirkung zeigten. Dieses Ereignis nahm Bürgermeister König zum Anlass und forderte den [[Magistrat]] zum Erlass einer neuen ''Feuerpolizeiverordnung'' auf. Von diesen Namen darf man sich nicht verwirren lassen, der Begriff ''Polizei'' wurde früher synonym für die Verwaltung gebraucht. Auch andere Behörden und Ämter trugen den Bestandteil im Namen (Gesundheitspolizei, Baupolizei, Gewerbepolizei, ...). | ||
Am 27. August des Jahres beschloss der Magistrat daraufhin die Aufstellung einer solchen Verordnung und damit einhergehend die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Am 6. September 1886 lud der Magistrat die Vorstände des [[Kriegerverein Norden|Krieger- und Militärvereins]] sowie des [[Norder Turnverein|Norder Turnvereins]] ins [[Rathaus]] ein, um ihnen die städtischen Pläne zu eröffnen und sie um die Konstituierung einer Wehr zu bitten. Auf Vorschlag von Bürgermeister König wurde der angesehene Kaufmann [[Diedrich Mescher]] zum Vorsitzenden des Planungskommitees bestimmt, das zugleich den Vorstand der zukünftigen Wehr bilden sollte. Dem Kommitee wurde aufgetragen, sich von Städten, die bereits ein geordnetes Feuerlöschwesens aufwiesen und von der Größe her mit Norden vergleichbar waren, Statuten und Erfahrungsberichte zu verschaffen. Für den 13. September wurde ein erneutes Treffen im [[Gasthof Zum Elephanten]] anberaumt. | Am 27. August des Jahres beschloss der Magistrat daraufhin die Aufstellung einer solchen Verordnung und damit einhergehend die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Am 6. September 1886 lud der Magistrat die Vorstände des [[Kriegerverein Norden|Krieger- und Militärvereins]] sowie des [[Norder Turnverein|Norder Turnvereins]] ins [[Rathaus]] ein, um ihnen die städtischen Pläne zu eröffnen und sie um die Konstituierung einer Wehr zu bitten. Auf Vorschlag von Bürgermeister König wurde der angesehene Kaufmann [[Diedrich Mescher]] zum Vorsitzenden des Planungskommitees bestimmt, das zugleich den Vorstand der zukünftigen Wehr bilden sollte. Dem Kommitee wurde aufgetragen, sich von Städten, die bereits ein geordnetes Feuerlöschwesens aufwiesen und von der Größe her mit Norden vergleichbar waren, Statuten und Erfahrungsberichte zu verschaffen. Für den 13. September wurde ein erneutes Treffen im [[Gasthof Zum Elephanten]] anberaumt. | ||
In der neuen Versammlung beschloss das Kommitee, aus den Mitgliedern ihrer Vereine den Stamm einer neuen Freiwilligen Feuerwehr zu bilden und stellte Statuen als grundlegendes Reglement der Wehr auf. Da der vorgenannte Gasthof nicht genug Platz bot, beschloss man, die potentiellen Mitglieder am 19. September zu einer Generalversammlung in die [[Marxsche Bierhalle]] einzuladen. Ein Großteil folgte dem Aufruf. Nachdem man die erarbeiteten Statuten zur Diskussion gestellt hatte und diese mit überwiegender Mehrheit angenommen wurden, unterzeichneten zahlreiche Anwesende ihre Mitgliedserklärung. Der Vorstand plante indes ein weiteres Treffen am 30. September, nun wieder im [[Mittelhaus|Gasthof Zum Elephanten]]. | In der neuen Versammlung beschloss das Kommitee, aus den Mitgliedern ihrer Vereine den Stamm einer neuen Freiwilligen Feuerwehr zu bilden und stellte Statuen als grundlegendes Reglement der Wehr auf. Da der vorgenannte Gasthof nicht genug Platz bot, beschloss man, die potentiellen Mitglieder am 19. September zu einer Generalversammlung in die [[Marxsche Bierhalle]] einzuladen. Ein Großteil folgte dem Aufruf. Nachdem man die erarbeiteten Statuten zur Diskussion gestellt hatte und diese mit überwiegender Mehrheit angenommen wurden, unterzeichneten zahlreiche Anwesende ihre Mitgliedserklärung. Der Vorstand plante indes ein weiteres Treffen am 30. September, nun wieder im [[Mittelhaus|Gasthof Zum Elephanten]].[[Datei:Jan ten Doornkaat Koolmann 1850 Portrait 1911 01.JPG|mini|248x248px|[[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]] (1911)]]Auf diesem neuen Treffen beratschlagte man über die Berufung eines Wehrführers, der als Hauptmann die Leitung der Feuerwehr übernehmen sollte. Die Wahl fiel schnell auf den hoch angesehenen [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]], da man ihm am ehesten die notwendige Autorität und Erfahrung im Führen großer Menschengruppen ([[Doornkaat]] war seinerzeit der mit Abstand größte Arbeiter) zutraute. Er nahm das Amt an und schlug als seinen Stellvertreter den Zichorienfabrikanten [[Ubbo Otten]] vor. Am 10. Oktober 1886 wurden ten Doornkaat Koolman und Otten auf der konstituierenden Versammlung bestätigt und eingesetzt. Damit war die Feuerwehr Norden geboren. Mehrere namhafte Mitglieder der Norder Bürgerschaft wurden mit Führungsaufgaben beauftragt, so etwa Bäcker- und Konditorobermeister [[Jan Tjarks ten Cate (1851)|Jan Tjarks ten Cate]], der Zugführer wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 182</ref> Insgesamt umfasste die Wehr zu Beginn etwa 150 Mann. | ||
Auf diesem neuen Treffen beratschlagte man über die Berufung eines Wehrführers, der als Hauptmann die Leitung der Feuerwehr übernehmen sollte. Die Wahl fiel schnell auf den hoch angesehenen [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]], da man ihm am ehesten die notwendige Autorität und Erfahrung im Führen großer Menschengruppen ([[Doornkaat]] war seinerzeit der mit Abstand größte Arbeiter) zutraute. Er nahm das Amt an und schlug als seinen Stellvertreter den Zichorienfabrikanten [[Ubbo Otten]] vor. Am 10. Oktober 1886 wurden ten Doornkaat Koolman und Otten auf der konstituierenden Versammlung bestätigt und eingesetzt. Damit war die Feuerwehr Norden geboren. Mehrere namhafte Mitglieder der Norder Bürgerschaft wurden mit Führungsaufgaben beauftragt, so etwa Bäcker- und Konditorobermeister [[Jan Tjarks ten Cate (1851)|Jan Tjarks ten Cate]], der Zugführer wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 182</ref> Insgesamt umfasste die Wehr zu Beginn etwa 150 Mann. | |||
=== Kaiserzeit und Weimarer Republik === | === Kaiserzeit und Weimarer Republik === | ||
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===Nationalsozialismus und Nachkriegszeit=== | ===Nationalsozialismus und Nachkriegszeit=== | ||
1935 wurde eine zweite Tragkraftspritze angeschafft und ein gebrauchter Omnibus zum Mannschaftstransport erworben. Kurze Zeit später folgten ein Gerätewagen mit einem Stromaggregat (1.200 Watt) sowie ein Schnellangriffswagen, der über Kleinlöschgeräte verfügte und einen schnellen Löschangriff bis zum zeitintensiven Aufbau einer Wasserversorgung ermöglichen sollte. Feuerwehrfahrzeuge mit eingebautem Wassertank waren seinerzeit in Norden noch nicht vorhanden und auch das Löschwassernetz war schlecht ausgebaut. Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] existierte nämlich erst ab 1938. | 1935 wurde eine zweite Tragkraftspritze angeschafft und ein gebrauchter Omnibus zum Mannschaftstransport erworben. Kurze Zeit später folgten ein Gerätewagen mit einem Stromaggregat (1.200 Watt) sowie ein Schnellangriffswagen, der über Kleinlöschgeräte verfügte und einen schnellen Löschangriff bis zum zeitintensiven Aufbau einer Wasserversorgung ermöglichen sollte. Feuerwehrfahrzeuge mit eingebautem Wassertank waren seinerzeit in Norden noch nicht vorhanden und auch das Löschwassernetz war schlecht ausgebaut. Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] existierte nämlich erst ab 1938. | ||
[[Datei:Feuerwehr Norden 1935 01.jpg|mini|Aufnahme von Wehrangehörigen im Jahre 1935.]] | |||
1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten. | [[Datei:Feuerwehr Norden Sanitätskraftwagen 1936 01.jpg|mini|Sanitätskraftwagen (Aufnahme von 1936).]]1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten. | ||
Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Zur gleichen Zeit änderte sich die Uniform, unter anderem wurde die bisherige Pickelhaube abgeschafft und durch M35-Schutzhelme ersetzt, wie er auch von der Wehrmacht und der SS genutzt wurde. Noch heute ähneln die deutschen Feuerwehrhelme dem bewährten Aussehen und Konzept des M35. | Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Zur gleichen Zeit änderte sich die Uniform, unter anderem wurde die bisherige Pickelhaube abgeschafft und durch M35-Schutzhelme ersetzt, wie er auch von der Wehrmacht und der SS genutzt wurde. Noch heute ähneln die deutschen Feuerwehrhelme dem bewährten Aussehen und Konzept des M35. | ||
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Die Wehr blieb auch nach Kriegsende an ihrem bisherigen Standort. In den Folgejahren wurden bis 1959 neue Hallen im rückwärtigen Bereich errichtet, um dem wachsenden Fuhrpark gerecht zu werden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 66</ref> Unter anderem wurden zuvor eine Drehleiter von 22 Metern Länge (DL 22), zwei Löschgruppenfahrzeuge (LF 8) und ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16) nebst umfangreichen Materials angeschafft, darunter erstmals Atemschutzgeräte. Auch in den Folgejahren setzte sich eine Vergrößerung des Fuhrparks und eine stetige Modernisierung fort. 1962 wurde ein großes Löschgruppenfahrzeug (LF 16), 1963 ein neues LF 8 und ein Pulverloschmittelanhänger (P 250), 1964 ein weiteres LF 8, 1970 eine DL 30 und 1973 ein geländegängiges Vorausfahrzeug für den schnellen Löschangriff mit Kleinlöschgeräten angeschafft. 1974 wurde das TLF 16 aus dem Jahr 1952 durch ein moderneres Fahrzeug gleicher Kategorie ersetzt. | Die Wehr blieb auch nach Kriegsende an ihrem bisherigen Standort. In den Folgejahren wurden bis 1959 neue Hallen im rückwärtigen Bereich errichtet, um dem wachsenden Fuhrpark gerecht zu werden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 66</ref> Unter anderem wurden zuvor eine Drehleiter von 22 Metern Länge (DL 22), zwei Löschgruppenfahrzeuge (LF 8) und ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16) nebst umfangreichen Materials angeschafft, darunter erstmals Atemschutzgeräte. Auch in den Folgejahren setzte sich eine Vergrößerung des Fuhrparks und eine stetige Modernisierung fort. 1962 wurde ein großes Löschgruppenfahrzeug (LF 16), 1963 ein neues LF 8 und ein Pulverloschmittelanhänger (P 250), 1964 ein weiteres LF 8, 1970 eine DL 30 und 1973 ein geländegängiges Vorausfahrzeug für den schnellen Löschangriff mit Kleinlöschgeräten angeschafft. 1974 wurde das TLF 16 aus dem Jahr 1952 durch ein moderneres Fahrzeug gleicher Kategorie ersetzt. | ||
1955 wurde der Musikzug der Feuerwehr gegründet. Dieser sah sich in der Nachfolge der bereits 1887 existierenden, aber später aufgelösten Feuerwehrkapelle. Der Musikzug entstand aus einem Zusammenschluss von Musikbegeisterten Angehörigen der Feuerwehr mit der ''Kyffhäuserkapelle Berum''. Anlässlich der 700-Jahrfeier der [[Stadt Norden]] trat der Musikzug erstmals öffentlich auf. In Koexistenz gab es noch den Spielmannzug, der bereits zwischen 1949 und 1950 gegründet wurde. Der Unterschied lag darin, dass der Musikzug stationäre Konzerte gab, während der Spielmannzug die Musik in der Regel beim Marschieren oder im Stehen gab. | 1955 wurde der Musikzug der Feuerwehr gegründet. Dieser sah sich in der Nachfolge der bereits 1887 existierenden, aber später aufgelösten Feuerwehrkapelle. Der Musikzug entstand aus einem Zusammenschluss von Musikbegeisterten Angehörigen der Feuerwehr mit der ''Kyffhäuserkapelle Berum''. Anlässlich der [[700-Jahrfeier]] der [[Stadt Norden]] trat der Musikzug erstmals öffentlich auf. In Koexistenz gab es noch den Spielmannzug, der bereits zwischen 1949 und 1950 gegründet wurde. Der Unterschied lag darin, dass der Musikzug stationäre Konzerte gab, während der Spielmannzug die Musik in der Regel beim Marschieren oder im Stehen gab. | ||
[[Datei:Klosterstraße 8 - Feuerwehr 25012004.jpg|links|mini|Das [[Altes Feuerwehrhaus|Alte Feuerwehrhaus]] am 25. Januar 2004.]] | |||
Am Abend des 22. März 1956 kam es erneut zu einem Großbrand auf Schloss Lütetsburg. Aus unbekannten Gründen brach ein Feuer in der Bibliothek des Schlosses aus und konnte sich rasch durch die uralten Gemäuer fressen. Auch die Norder Feuerwehr wurde wieder zur Unterstützung gerufen. Mündlichen Überlieferungen zufolge seien bei dem Brand mehrere sich im Innenangriff befindliche Feuerwehrkameraden vom Feuer umzingelt worden, konnten dann jedoch von einem Ortskundigen über alte Geheimgänge gerettet werden und dadurch dem sicheren Flammentod entkommen. | Am Abend des 22. März 1956 kam es erneut zu einem Großbrand auf Schloss Lütetsburg. Aus unbekannten Gründen brach ein Feuer in der Bibliothek des Schlosses aus und konnte sich rasch durch die uralten Gemäuer fressen. Auch die Norder Feuerwehr wurde wieder zur Unterstützung gerufen. Mündlichen Überlieferungen zufolge seien bei dem Brand mehrere sich im Innenangriff befindliche Feuerwehrkameraden vom Feuer umzingelt worden, konnten dann jedoch von einem Ortskundigen über alte Geheimgänge gerettet werden und dadurch dem sicheren Flammentod entkommen. | ||
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== Weiterführende Literatur == | |||
* Weege, Jans (2021): Die Geschichte der Feuerwehr Norden, Berlin ([https://www.epubli.de/shop/buch/Die-Geschichte-der-Feuerwehr-Norden-Jans-Weege-9783754932896/122009 '''Link''']) | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
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*Freiwillige Feuerwehr Norden (1986): 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Norden, Norden | *Freiwillige Feuerwehr Norden (1986): 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Norden, Norden | ||
*Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv) | *Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv) | ||
*Weege, Jans (2021): Die Geschichte der Feuerwehr Norden, Berlin | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||