Westermarsch II: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (12 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 12: | Zeile 12: | ||
|- | |- | ||
|Einwohner | |Einwohner | ||
| | |651 <small>(31.12.2022)</small> | ||
|- | |- | ||
|Gründung | |Gründung | ||
|um | |um 1821 | ||
|- | |- | ||
|Eingemeindung | |Eingemeindung | ||
| Zeile 25: | Zeile 25: | ||
| colspan="2" |[[Datei:Karte_Westermarsch_II.png|zentriert|358x358px|alternativtext=]] | | colspan="2" |[[Datei:Karte_Westermarsch_II.png|zentriert|358x358px|alternativtext=]] | ||
|} | |} | ||
'''Westermarsch II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat | '''Westermarsch II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 651 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022), die sich auf einer Fläche von rund 11,69 km² verteilen. Insbesondere der östliche Bereich ist heute stark mit [[Norddeich]] verwachsen, weshalb eigentlich in Westermarsch II befindliche Häuser und Straßen oftmals Norddeich zugerechnet werden. | ||
__TOC__ | __TOC__ | ||
==Namensherkunft== | |||
== Namensherkunft == | |||
Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den vorherrschenden Landschaftstyp des Ortes ([[Marsch]]) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen des [[Norderland|Norderlandes]] bzw. der [[Stadt Norden]]. Durch die römische Ziffer unterscheidet sich der Ort von [[Westermarsch I]]. | Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den vorherrschenden Landschaftstyp des Ortes ([[Marsch]]) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen des [[Norderland|Norderlandes]] bzw. der [[Stadt Norden]]. Durch die römische Ziffer unterscheidet sich der Ort von [[Westermarsch I]]. | ||
| Zeile 86: | Zeile 84: | ||
!Jahr | !Jahr | ||
!Einwohner | !Einwohner | ||
|- | |||
|1955 | |||
| align="right" |871 | |||
|- | |- | ||
|1956 | |1956 | ||
| Zeile 98: | Zeile 99: | ||
|2016 | |2016 | ||
| align="right" |507 | | align="right" |507 | ||
|} | |||
| | |||
{| class="wikitable" | |||
!Jahr | |||
!Einwohner | |||
|- | |- | ||
|2020 | |2020 | ||
| align="right" |396 | | align="right" |396 | ||
|- | |||
|2021 | |||
| align="right" |417 | |||
|- | |||
|2022 | |||
| align="right" |651 | |||
|- | |||
|2023 | |||
| align="right" | | |||
|- | |||
|2024 | |||
| align="right" | | |||
|} | |} | ||
|} | |} | ||
== Geografie == | ==Geografie== | ||
Westermarsch II befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu [[Norddeich]] verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des [[Dörper Weg |Dörper Wegs]]. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse und Zugehörigkeiten zu einem [[Rott]] gehörten. In etwa kann man jedoch sagen, dass die südliche Grenze von Westermarsch II beim [[Lehmweg]] beginnt und sich dann in westliche Richtung bis [[Utlandshörn]] erstreckt. | Westermarsch II befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu [[Norddeich]] verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des [[Dörper Weg |Dörper Wegs]]. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse und Zugehörigkeiten zu einem [[Rott]] gehörten. In etwa kann man jedoch sagen, dass die südliche Grenze von Westermarsch II beim [[Lehmweg]] beginnt und sich dann in westliche Richtung bis [[Utlandshörn]] erstreckt. | ||
Westermarsch II entspricht der alten [[Westermarsch II#Verwaltung|Rotteinteilung]] Rott 5 bis Rott 9, während [[Westermarsch I]] Rott 1 bis Rott 4 umfasst. ''[[Rott]]'' ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende Grenze zu Westermarsch I, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen. (siehe Abschnitt [[Westermarsch II#Verwaltung|Verwaltung]]) | Westermarsch II entspricht der alten [[Westermarsch II#Verwaltung|Rotteinteilung]] Rott 5 bis Rott 9, während [[Westermarsch I]] Rott 1 bis Rott 4 umfasst. ''[[Rott]]'' ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende Grenze zu Westermarsch I, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen. (siehe Abschnitt [[Westermarsch II#Verwaltung|Verwaltung]]) | ||
== Geschichte == | ==Geschichte== | ||
* siehe auch: [[Stadt Norden|Geschichte der Stadt Norden]] | * siehe auch: [[Stadt Norden|Geschichte der Stadt Norden]] | ||
* siehe auch: [[Westermarsch I#Geschichte|Geschichte von Westermarsch I]] | * siehe auch: [[Westermarsch I#Geschichte|Geschichte von Westermarsch I]] | ||
| Zeile 126: | Zeile 143: | ||
Die [[Zweite Marcellusflut]], die auch als G''rode Mandränke'' (Großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] wieder dem Wasser abgewonnen werden konnten. Die im 9. Jahrhundert entstandene [[Leybucht]] gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde auch [[Leide]] genannt. | Die [[Zweite Marcellusflut]], die auch als G''rode Mandränke'' (Großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] wieder dem Wasser abgewonnen werden konnten. Die im 9. Jahrhundert entstandene [[Leybucht]] gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde auch [[Leide]] genannt. | ||
Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, | Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]], die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene, äußerst wohlhabende Dorf [[Westeel]] wurde sogar gänzlich zerstört und infolge dessen aufgegeben. Die Leide ''verschwand,'' als die Leybucht ihre größte Ausdehnung erhielt. Durch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche Eindeichungen]] in den Folgejahrhunderten entstand das [[Norder Tief]] aus der Leybucht. | ||
Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]] in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief|Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]]. | Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]] in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief|Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]]. | ||
| Zeile 133: | Zeile 150: | ||
===Neuzeit=== | ===Neuzeit=== | ||
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618 | Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618-1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können. | ||
Bei der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im [[Westermarscher Seedeich|Seedeich]]. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft [[Itzendorf]] wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die ''Itzendorfplate'', eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in [[Utlandshörn]] und in Norden endend. | Zur Zeit der [[Westermarscher Seedeich|Bedeichung]] war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der Westermarsch in neun Rotten.<ref name=":0">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>[[Datei:Norddeich Bummert um 1940 01.JPG|links|mini|Ein alter [[Bummert]] am [[Westermarscher Seedeich]]. Die [[Deichstraße]] ist hier noch unbefestigt (um 1940).]][[Datei:Norddeich Radio Utlandshörn unbekanntes Datum (0271555) MZ.jpg|mini|Die Küstenfunkstelle ''[[Norddeich Radio]]'' in [[Utlandshörn]].]]Bei der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im [[Westermarscher Seedeich|Seedeich]]. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft [[Itzendorf]] wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die ''Itzendorfplate'', eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in [[Utlandshörn]] und in Norden endend. | ||
Die [[Februarflut 1825]] hatte zwischen dem [[Kleiner Krug |Kleinen Krug]] und dem [[Großer Krug |Großen Krug]] insgesamt 16 Deichbrüche zur Folge. Bei Itzendorf brach der Deich sogar in einer Breite von 70 Metern. Es wurden mehrere tausend Hektar Land überflutet und mehrere hundert Hektar versandet. Abgesehen vom direkten Schaden hatte die Sturmflut auch weitere wirtschaftliche und sogar gesellschaftliche Folgen. Von 88 Bauern in Westermarsch II mussten 46 ihre Höfe und Ländereien veräußern, da sie sie und die damit einhergehenden Pflichten, besonders das [[Spatenrecht]] (''Keen nich will dieken, de mutt wieken''), nicht mehr erfüllen konnten. Um derartiges künftig zu vermeiden, wurde 1900 die [[Deichacht Norden]] gegründet. Die Bewohner mussten nun nicht mehr selbst den Deich | Erschwerend zu den ohnehin starken Fluten kam hinzu, dass in der Westermarsch - beispielsweise auf der ''[[Uden-Soltjers Warf]]'' - über Jahrhunderte Salz aus sogenanntem ''Salztorf'' gewonnen wurde. Dies führte dazu, dass der ohnehin schon tiefliegende Boden weiter abfiel und dadurch noch anfälliger für Überflutungen wurde.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 115</ref> Im Falle der vor der Westermarsch liegenden Insel [[Bant]] förderte der Raubbau sogar den kompletten Niedergang dieser Insel. Die Salzsiederei wurde schließlich im frühen 17. Jahrhundert aufgegeben. | ||
Die [[Februarflut 1825]] hatte zwischen dem [[Kleiner Krug |Kleinen Krug]] und dem [[Großer Krug |Großen Krug]] insgesamt 16 Deichbrüche zur Folge. Bei Itzendorf brach der Deich sogar in einer Breite von 70 Metern. Es wurden mehrere tausend Hektar Land überflutet und mehrere hundert Hektar versandet. Abgesehen vom direkten Schaden hatte die Sturmflut auch weitere wirtschaftliche und sogar gesellschaftliche Folgen. Von 88 Bauern in Westermarsch II mussten 46 ihre Höfe und Ländereien veräußern, da sie sie und die damit einhergehenden Pflichten, besonders das [[Spatenrecht]] (''Keen nich will dieken, de mutt wieken''), nicht mehr erfüllen konnten. Um derartiges künftig zu vermeiden, wurde 1900 die [[Deichacht Norden]] gegründet. Die Bewohner mussten nun nicht mehr selbst den Deich instandhalten, sondern nur noch einen Beitrag an die Deichacht zahlen, die diese Aufgabe bis heute wahrnimmt. | |||
[[Datei:Westermarsch Deich Winter Schnee um 1970 01.jpg|mini|Kinder spielen im Schnee, im Hintergrund [[Utlandshörn]] mit [[Norddeich Radio]] (um 1970).]] | |||
Um 1771 grassierte in der Westermarsch eine große Viehseuche, die für die rund 600 Einwohner des Dorfes zu schwerer wirtschaftlicher Not führte. | |||
Von 1821 bis 1823 kartografierte das Königreich Hannover einen Teil seines Landes. Wenngleich Ostfriesland nicht dazu zählte, taucht in dieser Zeit erstmals die amtliche Trennung von [[Westermarsch I]] und Westermarsch II wie auch [[Süderneuland I]] und [[Süderneuland II]] auf. Offenkundig stand die Trennung dieser bis dahin jeweils zusammengehörenden Gemeinden im Zusammenhang mit Bestrebungen zur Vereinheitlichung von Fläche und Größe der einzelnen Gliedgemeinden im Land. Die nun entstandenen Gemeinden hatten jeweils eine annähernd gleiche Größe und Bevölkerungszahl. | |||
1867 bzw. 1871 fiel ganz Ostfriesland von Hannover (erneut) an das Königreich Preußen. Die preußischen Beamten begannen, nun auch Ostfriesland zu kartografieren. 1873 bis 1875 wurde die [[Westermarscher Straße]] gebaut, bis dahin erfolgte ein Warentransport vor allem über die zahlreichen Flüsse und Kanäle. | |||
In den Jahren 1905 bis 1906 wurde die [[Norddeich Radio |Küstenfunkstation Norddeich]] in [[Utlandshörn]] errichtet und zunächst dem [[Postamt|Kaiserlichen Postamt]] am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] angegliedert. Die Küstenfunkstelle war von großer militärischer Bedeutung und bis zu ihrer Schließung am 31. Dezember 1998 ein tragender Faktor für die Sicherheit auf See. Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] unterstand die Küstenfunkstelle dem Kommando der Kaiserlichen Marine. Das Gebäude der [[Itzendorfer Schule]] wurde von der Marine requiriert, um dort Soldaten unterzubringen. Nachdem die Marine im November 1918 die Küstenfunkstelle geräumt hatte, wurde diese durch Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrats besetzt. Im September 1919 formierte sich eine Bürgerwehr, der 57 Mann angehörten. Sie verfügte über 50 Waffen, wurde aber schon wenig später wieder aufgelöst. | In den Jahren 1905 bis 1906 wurde die [[Norddeich Radio |Küstenfunkstation Norddeich]] in [[Utlandshörn]] errichtet und zunächst dem [[Postamt|Kaiserlichen Postamt]] am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] angegliedert. Die Küstenfunkstelle war von großer militärischer Bedeutung und bis zu ihrer Schließung am 31. Dezember 1998 ein tragender Faktor für die Sicherheit auf See. Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] unterstand die Küstenfunkstelle dem Kommando der Kaiserlichen Marine. Das Gebäude der [[Itzendorfer Schule]] wurde von der Marine requiriert, um dort Soldaten unterzubringen. Nachdem die Marine im November 1918 die Küstenfunkstelle geräumt hatte, wurde diese durch Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrats besetzt. Im September 1919 formierte sich eine Bürgerwehr, der 57 Mann angehörten. Sie verfügte über 50 Waffen, wurde aber schon wenig später wieder aufgelöst. | ||
Auch im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] erlangte die Küstenfunkstelle wieder große Bedeutung und wurde entsprechend auch mit [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] gegen feindliche Luftangriffe gesichert. Zudem entstand in dieser Zeit ein Kriegsgefangenenlager im nahegelegenen [[Itzendorf|Neu-Itzendorf]], in dem 15 französische Soldaten inhaftiert waren. Ein weiteres Kriegsgefangenenlager wurde in Utlandshörn errichtet, auch dort waren | Auch im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] erlangte die Küstenfunkstelle wieder große Bedeutung und wurde entsprechend auch mit [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] gegen feindliche Luftangriffe gesichert. Zudem entstand in dieser Zeit ein Kriegsgefangenenlager im nahegelegenen [[Itzendorf|Neu-Itzendorf]], in dem 15 französische Soldaten inhaftiert waren. Ein weiteres Kriegsgefangenenlager wurde in Utlandshörn errichtet, auch dort waren ausschHfließlich Franzosen inhaftiert, deren Zahl - über die Zeit schwankend - 15 bis 40 betragen hat. Das Lager trug die Bezeichnung AK Nr. 1016a. | ||
Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebener aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 730 Einwohner, von denen 190 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 22 auf insgesamt 752 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 200. Kurz nach Kriegsende ermordete eine aus sechs ehemaligen Kriegsgefangenen bestehende Bande den Bauern Steffens. Einer der Täter wurde deswegen im August 1946 vom ''High Court'' der britischen Militärregierung zum Tode verurteilt. | Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebener aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 730 Einwohner, von denen 190 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 22 auf insgesamt 752 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 200. Kurz nach Kriegsende ermordete eine aus sechs ehemaligen Kriegsgefangenen bestehende Bande den Bauern Steffens. Einer der Täter wurde deswegen im August 1946 vom ''High Court'' der britischen Militärregierung zum Tode verurteilt. | ||
| Zeile 150: | Zeile 172: | ||
==Verwaltung== | ==Verwaltung== | ||
* siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]] | * siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]] | ||
* siehe auch: [[Rotteinteilung der Westermarsch]] | * siehe auch: [[Rotteinteilung der Westermarsch]] | ||
| Zeile 187: | Zeile 208: | ||
==Wirtschaft und Verkehr== | ==Wirtschaft und Verkehr== | ||
[[Datei:Westermarsch II Blick gen Norddeich 26 06 2022.jpg|mini|Blick gen [[Norddeich]] - Aufnahme vom 26. Juni 2022.]] | |||
Haupterwerbszweig von Westermarsch II ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. ''Ferien auf dem Bauernhof'' bieten mittlerweile viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an. | Haupterwerbszweig von Westermarsch II ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. ''Ferien auf dem Bauernhof'' bieten mittlerweile viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an. | ||
| Zeile 196: | Zeile 218: | ||
==Erwähnenswerte Gebäude== | ==Erwähnenswerte Gebäude== | ||
* siehe auch: [[:Kategorie:Gebäude in Westermarsch II|Kategorie:Gebäude in Westermarsch II]] | |||
===Erhaltene Gebäude=== | ===Erhaltene Gebäude=== | ||
* [[Groß Grashaus]] | * [[Groß Grashaus]] | ||
| Zeile 211: | Zeile 236: | ||
* [[Wachthaus (Westermarsch II)|Wachthaus]] | * [[Wachthaus (Westermarsch II)|Wachthaus]] | ||
== Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise== | ||
<references /> | <references /> | ||
== Quellenverzeichnis == | ==Quellenverzeichnis== | ||
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Westermarsch_II.pdf Beschreibung von Westermarsch II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft | * [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Westermarsch_II.pdf Beschreibung von Westermarsch II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft | ||
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen] | * [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen] | ||
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden] | * [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden] | ||
== Siehe auch == | ==Siehe auch== | ||
* [[Westermarsch I]] | * [[Westermarsch I]] | ||
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]] | [[Kategorie:Stadtteile von Norden]] | ||
[[Kategorie:Westermarsch II]] | [[Kategorie:Westermarsch II]] | ||