Haus Telting: Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
|Entstehungszeit
In früheren Jahren zahlten Adelige keine Abgaben an die Stadt und den Landesherrn. Sie mussten lediglich das Pastorengeld bezahlen. Im Gegenzug hatten sie zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise Hochzeiten oder Trauerfälle, am Hofe in Aurich zu erscheinen, um dort ritterliche Dienste zu leisten. Dieses Privileg, auch ''Adelsfreiheit'' genannt, wurde an ein bestimmtes Haus bzw. einen bestimmten Besitz geknüpft.<ref>[https://www.heraldik-wiki.de/wiki/Adelsfreiheit Zur Definition der Adelsfreiheit] auf heraldik-wiki.de, abgerufen am 26. Februar 2024</ref> So hatten später auch nicht-adelige Menschen dieses Privileg inne. Für Norden sind zahlreiche solcher ''adelig freien'' Häuser nachweisbar.
|1818
 
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Eine Ausnahme unter den adelig freien Häusern stellt das hier beschriebene Haus dar. Es hatte sich zwar lediglich mit einem ''halben Pferd'' am Ritterdienst zu beteiligen, war dafür jedoch dazu verpflichtet, jährlich 25 Reichstaler in Gold als Grundheuer an die [[Norderpastorei]] zu bezahlen. Darüber hinaus hatte der Eigentümer die An- und Abreise des Beamten bei öffentlichen Verkäufen zu tragen.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 13</ref>
|Erbauer
 
|[[Michael Christian Arnold Telting|Michael Telting]]
Als erster Eigentümer des Hauses bzw. seines Vorgängerbaus wird am 10. Januar 1549 [[Hayo Mannena]] genannt. Sielrichter Mannena besaß in jener Zeit ebenfalls den [[Hof Nordoog]] in [[Ostermarsch]]. Etwas mehr als 100 Jahre später war der [[Ratsherr]] [[Cornelius Jürgens]] Besitzer des Hauses. Um 1672 gehörte es [[Simon Cornelius Brandlecht]], danach Frau Rätin und [[Amtsverwalter|Amtsverwalterin]] Pauli oder [[Coord Heike|Coord Heikes]] Witwe sowie die Magisterin Hoyer.<ref name=":1">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 148</ref>
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|Bauweise
|Stadtvilla (Ziegelsteinbau)
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|Erhaltungszustand
|erhalten
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|Genaue Lage
|[[Am Markt]] 64
26506 Norden
|} __NOTOC__


Das '''Haus Telting''' ist ein denkmalgeschütztes Gebäude an der Nordseite [[Am Markt|des Marktes]]. Es wurde 1818 von [[Michael Christian Arnold Telting]] auf dem Grund eines älteren Vorgängerbaus errichtet.
Bis zu seinem Tode 1748 war [[Johann Laurenz Palms|Bürgermeister Palms]] Hauseigentümer. In der folgenden Erbteilung bekamen seine Tochter [[Catharina Juliane Palm]] sowie ihr Ehemann und späterer Bürgermeister [[Hajo Laurenz Damm]], das Haus, welches zu jener Zeit einen Wert von 2.000 Gulden besaß. Nach Damms Tode wiederum erbte [[Hermanna Nicolai Hoppe|Hermanna Nicolai Hoppe, geb. Damm]] das Haus.<ref name=":1" />


==Geschichte==
Laut eines Kaufvertrags vom 16. August und 18. September 1793 waren [[Poppe Ihnen Weyers]] und seine Ehefrau [[Rebecca Antonia Wenckebach]] für 3.500 Gulden neue Besitzer geworden. Sie lassen das Haus neu erbauen<ref name=":1" />, nach Auskunft der Denkmalschutzbehörde erst nach 1800.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref> Der wohlhabende [[Michael Christian Arnold Telting]] ersteigerte es am 5. Oktober 1818 für 11.610 Gulden.<ref name=":1" /><ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Telting_Fam.pdf Tielke, Martin (2007): Biographie der Familie Telting], veröffentlicht in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Telting starb 1853. Seine Witwe, die Amtmannin Telting, geb. Veenekamp, erbte das Haus und war ab 1855 als Eigentümerin im Grundbuch verzeichnet.<ref name=":1" />
Der wohlhabende [[Michael Christian Arnold Telting|Michael Telting]] ersteigerte im Jahre 1818 einen wahrscheinlich wesentlich älteren Vorgängerbau und ließ diesen entweder abbrechen und neu- oder zumindest überbauen.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Telting_Fam.pdf Tielke, Martin (2007): Biographie der Familie Telting], veröffentlicht in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Telting starb 1853. Das Haus kam dann direkt oder erst später in den Besitz der Familie Eiben. Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] erwarb der vermögende Kaufmann [[Sicco Theodor van Hülst]] das Anwesen und wohnte hier bis zu seinem Tode im Jahre 1926, seit dem Tod seiner Ehefrau acht Jahre zuvor, alleine.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 102</ref>


Seit mehreren Jahrzehnten bereits wird das Haus als Arztpraxis, aber auch noch zu Wohnzwecken, genutzt.
Um 1892 wurde [[Ratsherr]] R. Eiben Besitzer des Hauses.<ref name=":1" /> Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] erwarb der vermögende Kaufmann [[Sicco Theodor van Hülst]] das Anwesen und wohnte hier bis zu seinem Tode im Jahre 1926, seit dem Tod seiner Ehefrau acht Jahre zuvor, alleine.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 102</ref> Danach gehörte das Haus [[Diederich Cremer|Dr. med. Diederich Cremer]], der zuvor in der (ehemaligen) [[Osterpastorei]] gewohnt hatte.<ref name=":1" /><ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 40</ref> Die Familie Cremer blieb bis mindestens 1974 hier wohn- bzw. sesshaft.<ref name=":1" /> Seit dieser Zeit befand sich hier auch weiterhin eine Arztpraxis (Frau Dr. Mencke, dann Frau Dr. Neer-Funke, dann Herr Mencke).


== Beschreibung ==
==Beschreibung==
Der zweigeschossige, traufständige Ziegelsteinbau verfügt über ein Walmdach. Das hölzerne Traufgesims weist Zahnschnittfries als Dekorationselement auf. Der von einem Schmied gefertigte, eiserne Vorgartenzaun nebst dahinter befindlicher Sandsteintreppe runden das Ensemble ab, das in seiner Gesamtheit als unmissverständlicher Hinweis auf den Wohlstand seiner früheren Besitzer ist.
Der zweigeschossige, traufständige Ziegelsteinbau verfügt über ein Walmdach. Das hölzerne Traufgesims weist Zahnschnittfries als Dekorationselement auf. Der von einem Schmied gefertigte, eiserne Vorgartenzaun nebst dahinter befindlicher Sandsteintreppe runden das Ensemble ab, das in seiner Gesamtheit als unmissverständlicher Hinweis auf den Wohlstand seiner früheren Besitzer ist.
==Galerie==
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Datei:Am Markt Nord Haus Telting um 1955 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1955.
Datei:Am Markt Marktplatz Blick zum Haus Telting Herbst 1956.JPG|Blick vom nördlichen [[Marktplatz]] zum Haus Telting im Herbst 1956.
Datei:Am Markt 64 - 06 04 2003.jpg|Aufnahme vom 6. April 2003.
Datei:Am Markt 64 18 04 2022.jpg|Aufnahme vom 18. April 2022.
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Haus Reil]]
*[[Haus Nesso]]
*[[Liste der Häuser Am Markt]]


[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Aktuelle Version vom 8. Dezember 2025, 13:51 Uhr

Haus Telting

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1810
Erbauer Poppe Ihnen Weyers
Bauweise Stadtvilla
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 64

26506 Norden

Das Haus Telting ist ein denkmalgeschütztes Gebäude an der Nordseite des Marktes. Die Geschichte des Hauses lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Geschichte

In früheren Jahren zahlten Adelige keine Abgaben an die Stadt und den Landesherrn. Sie mussten lediglich das Pastorengeld bezahlen. Im Gegenzug hatten sie zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise Hochzeiten oder Trauerfälle, am Hofe in Aurich zu erscheinen, um dort ritterliche Dienste zu leisten. Dieses Privileg, auch Adelsfreiheit genannt, wurde an ein bestimmtes Haus bzw. einen bestimmten Besitz geknüpft.[1] So hatten später auch nicht-adelige Menschen dieses Privileg inne. Für Norden sind zahlreiche solcher adelig freien Häuser nachweisbar.

Eine Ausnahme unter den adelig freien Häusern stellt das hier beschriebene Haus dar. Es hatte sich zwar lediglich mit einem halben Pferd am Ritterdienst zu beteiligen, war dafür jedoch dazu verpflichtet, jährlich 25 Reichstaler in Gold als Grundheuer an die Norderpastorei zu bezahlen. Darüber hinaus hatte der Eigentümer die An- und Abreise des Beamten bei öffentlichen Verkäufen zu tragen.[2]

Als erster Eigentümer des Hauses bzw. seines Vorgängerbaus wird am 10. Januar 1549 Hayo Mannena genannt. Sielrichter Mannena besaß in jener Zeit ebenfalls den Hof Nordoog in Ostermarsch. Etwas mehr als 100 Jahre später war der Ratsherr Cornelius Jürgens Besitzer des Hauses. Um 1672 gehörte es Simon Cornelius Brandlecht, danach Frau Rätin und Amtsverwalterin Pauli oder Coord Heikes Witwe sowie die Magisterin Hoyer.[3]

Bis zu seinem Tode 1748 war Bürgermeister Palms Hauseigentümer. In der folgenden Erbteilung bekamen seine Tochter Catharina Juliane Palm sowie ihr Ehemann und späterer Bürgermeister Hajo Laurenz Damm, das Haus, welches zu jener Zeit einen Wert von 2.000 Gulden besaß. Nach Damms Tode wiederum erbte Hermanna Nicolai Hoppe, geb. Damm das Haus.[3]

Laut eines Kaufvertrags vom 16. August und 18. September 1793 waren Poppe Ihnen Weyers und seine Ehefrau Rebecca Antonia Wenckebach für 3.500 Gulden neue Besitzer geworden. Sie lassen das Haus neu erbauen[3], nach Auskunft der Denkmalschutzbehörde erst nach 1800.[4] Der wohlhabende Michael Christian Arnold Telting ersteigerte es am 5. Oktober 1818 für 11.610 Gulden.[3][5] Telting starb 1853. Seine Witwe, die Amtmannin Telting, geb. Veenekamp, erbte das Haus und war ab 1855 als Eigentümerin im Grundbuch verzeichnet.[3]

Um 1892 wurde Ratsherr R. Eiben Besitzer des Hauses.[3] Während des Ersten Weltkriegs erwarb der vermögende Kaufmann Sicco Theodor van Hülst das Anwesen und wohnte hier bis zu seinem Tode im Jahre 1926, seit dem Tod seiner Ehefrau acht Jahre zuvor, alleine.[6] Danach gehörte das Haus Dr. med. Diederich Cremer, der zuvor in der (ehemaligen) Osterpastorei gewohnt hatte.[3][7] Die Familie Cremer blieb bis mindestens 1974 hier wohn- bzw. sesshaft.[3] Seit dieser Zeit befand sich hier auch weiterhin eine Arztpraxis (Frau Dr. Mencke, dann Frau Dr. Neer-Funke, dann Herr Mencke).

Beschreibung

Der zweigeschossige, traufständige Ziegelsteinbau verfügt über ein Walmdach. Das hölzerne Traufgesims weist Zahnschnittfries als Dekorationselement auf. Der von einem Schmied gefertigte, eiserne Vorgartenzaun nebst dahinter befindlicher Sandsteintreppe runden das Ensemble ab, das in seiner Gesamtheit als unmissverständlicher Hinweis auf den Wohlstand seiner früheren Besitzer ist.

Galerie

Einzelnachweise

  1. Zur Definition der Adelsfreiheit auf heraldik-wiki.de, abgerufen am 26. Februar 2024
  2. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 13
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 148
  4. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 11. November 2021
  5. Tielke, Martin (2007): Biographie der Familie Telting, veröffentlicht in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  6. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 102
  7. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 40

Siehe auch