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==Gut Lintel==
==Gut Lintel==
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Das '''Gut Lintel''' ist eine große Stadtvilla, die sich inmitten des ''Linteler Wäldchens'' zwischen der [[Parkstraße]] und der [[Kastanienallee]] befindet. Die Zufahrt befindet sich neben dem Parkplatz an der Bushaltestelle der [[Linteler Schule]] und ist entsprechend beschildert.
Das '''Gut Lintel''' ist eine große, denkmalgeschützte Stadtvilla, die sich inmitten des ''Linteler Wäldchens'' zwischen der [[Parkstraße]] und der [[Kastanienallee]] befindet. Die Zufahrt befindet sich neben dem Parkplatz an der Bushaltestelle der [[Linteler Schule]] und ist entsprechend beschildert.


Das Gut Lintel darf nicht mehr dem nahegelegenen [[Hof Lintel]] (später bekannt als ''Auktionshalle'') verwechselt werden.
Das Gut Lintel darf nicht mehr dem nahegelegenen [[Hof Lintel]] (später bekannt als ''Auktionshalle'') verwechselt werden.
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Ursprünglich bezeichnete ''Gut Lintel'' einen Hof mit umfassenden Ländereien, der westlich der [[Idzingaburg]] lag und zu dessen Nebengebäuden gehörte. Möglicherweise war es das [[Vorwerk]] der Idzingaburg oder geht auf dieses zurück.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2011): Höfe in der Sandbauerschaft, Manuskript</ref> Zum Hof gehörten fünfzig [[Diemat]] Land, also ungefähr 285.000 qm, die sich vorwiegend auf das nähere Umland konzentrierten. Das Gut existiert mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich jedoch bereits viel früher. Die Bewohner lassen sich seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.<ref name=":0" />
Ursprünglich bezeichnete ''Gut Lintel'' den [[Hof Lintel]] mit umfassenden Ländereien, der westlich der [[Idzingaburg]] lag und zu dessen Nebengebäuden gehörte. Möglicherweise war es das [[Vorwerk]] der Idzingaburg oder geht auf dieses zurück.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2011): Höfe in der Sandbauerschaft, Manuskript</ref> Zum Hof gehörten fünfzig [[Diemat]] Land, also ungefähr 285.000 qm, die sich vorwiegend auf das nähere Umland konzentrierten. Der Gutshof existierte mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich jedoch bereits viel früher. Die Bewohner lassen sich seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.<ref name=":0" />


1845 wurde das heute noch bestehende, erst 1798 neu errichtete und sich bis dahin im Besitz der Nachkommen des [[Engelbert Kettler (1618)|Engelbert Kettler]] befindliche Haupthaus durch [[Wilhelm Vissering]] im Stil einer großen, schlossähnlichen Stadtvilla umgestaltet.<ref name=":1">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 219</ref><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 100</ref> Es handelt sich um einen klassizistischen Backsteinbau mit modernen Anbauten. Um das Gebäude wurde ein etwa ein Hektar großer Park im englischen Stil angelegt. Der Volksmund taufte ihn später auf den Namen ''Linteler Wald'' bzw. ''Linteler Wäldchen''. Zum parkähnlichen Wald, der der [[Parkstraße]] ihren Namen gab, gehörte auch ein Teich sowie künstlich geschaffene Anhöhen. Der Entwurf dieser ''englischen Gartenanlage'' ist dem Herzoglich Oldenburgischen Hofgärtner Christian Ludwig Bosse zuzuschreiben.<ref name=":1" />
1845 wurde das heute noch bestehende, erst 1798 neu errichtete und sich bis dahin im Besitz der Nachkommen des [[Engelbert Kettler (1618)|Engelbert Kettler]] befindliche Haupthaus durch [[Wilhelm Vissering]] im Stil einer großen, schlossähnlichen Stadtvilla umgestaltet.<ref name=":1">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 219</ref><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 100</ref> Es handelt sich um einen klassizistischen Backsteinbau mit modernen Anbauten. Um das Gebäude wurde ein etwa ein Hektar großer Park im englischen Stil angelegt. Der Volksmund taufte ihn später auf den Namen ''Linteler Wald'' bzw. ''Linteler Wäldchen''. Zum parkähnlichen Wald, der der [[Parkstraße]] ihren Namen gab, gehörte auch ein Teich sowie künstlich geschaffene Anhöhen. Der Entwurf dieser ''englischen Gartenanlage'' ist dem Herzoglich Oldenburgischen Hofgärtner Christian Ludwig Bosse zuzuschreiben.<ref name=":1" />
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Weiterhin wurde eine Allee mit Kastanienbäumen errichtet, die von der [[Linteler Straße]] direkt auf das Haupthaus zuführt.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref> Heute trägt diese Allee den Namen [[Kastanienallee]]. Das Holztor, welches das Befahren von hier mit Kraftfahrzeugen verhindert, ist jedoch erst nach 1980 errichtet worden.<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0267688.jpg)</ref> An dieser Allee steht eine Baracke, die noch bis in die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] als Lazarett der britischen Besatzungsmacht und heute als [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Vereinsheim]] für drei Norder Vereine dient.
Weiterhin wurde eine Allee mit Kastanienbäumen errichtet, die von der [[Linteler Straße]] direkt auf das Haupthaus zuführt.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref> Heute trägt diese Allee den Namen [[Kastanienallee]]. Das Holztor, welches das Befahren von hier mit Kraftfahrzeugen verhindert, ist jedoch erst nach 1980 errichtet worden.<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0267688.jpg)</ref> An dieser Allee steht eine Baracke, die noch bis in die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] als Lazarett der britischen Besatzungsmacht und heute als [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Vereinsheim]] für drei Norder Vereine dient.


Das Linteler Wäldchen ist heute städtischer Besitz und frei zugänglich. Die Anhöhen und der Teich sind noch vorhanden, jedoch ist das Gebiet über die Jahrzehnte verwildert und kaum mehr als Park zu erkennen.<ref name=":1" /> Mit dem Bau des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]] hat es zudem einen Teil seiner Fläche einbüßen müssen. Bereits seit mindestens 1800 verlief hier ein wichtiger Verbindungsweg der Bewohner von [[Ostlintel]] zur [[Linteler Mühle]] und zur [[Ludgerikirche]], weshalb der Weg auch amtlich als ''Kirchweg'' verzeichnet war. Als [[Wilhelm Vissering]] diesen Weg 1851 absperrte, kam es zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und der [[Sandbauerschaft|Gemeinde Sandbauerschaft]], zu der Ostlintel seinerzeit noch gehörte. Visserung unterlag und musste den Weg wieder frei geben.<ref name=":2" />
Das Linteler Wäldchen ist heute städtischer Besitz und frei zugänglich. Die Anhöhen und der Teich sind noch vorhanden, jedoch ist das Gebiet über die Jahrzehnte verwildert und kaum mehr als Park zu erkennen.<ref name=":1" /> Mit dem Bau des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]] hat es zudem einen Teil seiner Fläche einbüßen müssen. Bereits seit mindestens 1800 verlief hier ein wichtiger Verbindungsweg der Bewohner von [[Ostlintel]] zur [[Linteler Mühle]] und zur [[Ludgerikirche]], weshalb der Weg auch amtlich als ''Kirchweg'' verzeichnet war. Als [[Wilhelm Vissering]] diesen Weg 1851 absperrte, kam es zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und der [[Sandbauerschaft|Gemeinde Sandbauerschaft]], zu der Ostlintel seinerzeit noch gehörte. Vissering unterlag und musste den Weg wieder freigeben.<ref name=":2" />


Nach dem Tod von [[Wilhelm Vissering]] (er starb 1860) ging das Gut in den Besitzs eines Sohnes [[Friedrich Bodewin Vissering]] über. Später erbt sein Sohn [[Karl Vissering]] das Gut. Bereits vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ging es mit seinen Besitztümern jedoch abwärts. Auch eine Konsolidierung durch die Währungsreform nach der Inflationszeit gelang nicht. 1919 wurde Vissering wegen überhöhter Preisforderungen für Gemüse angezeigt und zur Rechenschaft gezogen. Der wirtschaftliche Ruin Visserings vollzog sich immer weiter, obwohl zu dieser Zeit noch der [[Hof Flökershausen]] mit 61 Hektar, der [[Hof Breepott]] mit 50 Hektar und der [[Hof Uhlenwarf]] mit 5 Hektar zu seinem Besitz zählten. Weiterhin war er Pächter der [[Petersbörg]], des [[Zuckerpolder|Zuckerpolders]] sowie von Ländereien und [[Heller|Hellern]] in der Größe von 150 Hektar auf Norderney.<ref name=":2" />
Nach dem Tod von [[Wilhelm Vissering]] (er starb 1860) ging das Gut in den Besitzs eines Sohnes [[Friedrich Bodewin Vissering]] über. Später erbt sein Sohn [[Karl Vissering]] das Gut. Bereits vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ging es mit seinen Besitztümern jedoch abwärts. Auch eine Konsolidierung durch die Währungsreform nach der Inflationszeit gelang nicht. 1919 wurde Vissering wegen überhöhter Preisforderungen für Gemüse angezeigt und zur Rechenschaft gezogen. Der wirtschaftliche Ruin Visserings vollzog sich immer weiter, obwohl zu dieser Zeit noch der [[Hof Flökershausen]] mit 61 Hektar, der [[Hof Breepott]] mit 50 Hektar und der [[Hof Uhlenwarf]] mit 5 Hektar zu seinem Besitz zählten. Weiterhin war er Pächter der [[Petersbörg]], des [[Zuckerpolder|Zuckerpolders]] sowie von Ländereien und [[Heller|Hellern]] in der Größe von 150 Hektar auf Norderney.<ref name=":2" />
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1940 erging erneut ein Pfändungsbeschluss gegen Vissering, der seit 1935 als Landwirt in Leer-Loga tätig war.<ref name=":02" /> 1977 oder 1978 gelangte das Gut schließlich in den Besitz des Rechtsanwalts [[Veit Wucherpfennig]], der auch das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] vor dem Verfall bewahrte.<ref name=":1" /> Heute steht das Anwesen im Eigentum eines Norder Ärztepaares.
1940 erging erneut ein Pfändungsbeschluss gegen Vissering, der seit 1935 als Landwirt in Leer-Loga tätig war.<ref name=":02" /> 1977 oder 1978 gelangte das Gut schließlich in den Besitz des Rechtsanwalts [[Veit Wucherpfennig]], der auch das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] vor dem Verfall bewahrte.<ref name=":1" /> Heute steht das Anwesen im Eigentum eines Norder Ärztepaares.
==Galerie==
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Datei:Parkstraße Linteler Wäldchen Linteler Wald Jahnplatz Gut Lintel Kastanienallee 20 09 2021 02.jpg|Das ''Linteler Wäldchen'' mit Blickrichtung zur [[Parkstraße]] - Aufnahme vom 20. September 2021.
Datei:Parkstraße Linteler Wäldchen Linteler Wald Jahnplatz Gut Lintel Kastanienallee 20 09 2021 01.jpg|Überreste eines alten Teichs - Aufnahme vom 20. September 2021.
Datei:Parkstraße Linteler Wäldchen Linteler Wald Jahnplatz Gut Lintel Kastanienallee 20 09 2021 03.jpg|Die [[Kastanienallee]] am Ende des Wäldchens mit Blickrichtung zur [[Linteler Straße]] - Aufnahme vom 20. September 2021.
Datei:Parkstraße Linteler Wäldchen Linteler Wald Jahnplatz Gut Lintel Kastanienallee 20 09 2021 04.jpg|Blick auf das Gut Lintel von der [[Kastanienallee]] - Aufnahme vom 20. September 2021.
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==Einzelnachweise==
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