Kloster Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Kloster Norden''' (auch: ''Dominikanerkloster'', ''Brüderkloster'' bzw. ''Broerkloster,'') war ein um 1264 vom katholischen Dominikanerorden gegründetes und größtenteils von [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlingen]] gestiftetes | Das '''Kloster Norden''' (auch: ''Dominikanerkloster'', ''Brüderkloster'' bzw. ''Broerkloster,'') war ein um 1264 vom katholischen Dominikanerorden auf dem Grund einer alten Münzprägeanstalt gegründetes und größtenteils von [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlingen]] gestiftetes Kloster am späteren [[Fräuleinshof]] in [[Norden (Stadtteil)|Norden]]. Im Gegensatz zum [[Kloster Marienthal|''Doppelkloster'' Marienthal]] lebten hier nur Mönche und keine Nonnen, woraus sich seine entsprechenden Alternativbezeichnungen erklären. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier im Jahr 1269 mehrere Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan ''Friedensmänner'' zur Streitschlichtung wählten. Ab 1275 ist nachgewiesen, dass sich die Mönche als (Mit-)Gründer der sogenannten ''Kalandsbruderschaft'' hervorgetan haben.<ref name=":2" /> Die Kalandsbruderschaften waren vereinsähnliche Zusammenschlüsse, deren Mitglieder sich zunächst jeden ersten Tag im Monat gemeinsam zum Gebet trafen und später auch andere, weltliche Aktivitäten gemeinsam ausübten. | Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier im Jahr 1269 mehrere Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan ''Friedensmänner'' zur Streitschlichtung wählten. Ab 1275 ist nachgewiesen, dass sich die Mönche als (Mit-)Gründer der sogenannten ''Kalandsbruderschaft'' hervorgetan haben.<ref name=":2" /> Die Kalandsbruderschaften waren vereinsähnliche Zusammenschlüsse, deren Mitglieder sich zunächst jeden ersten Tag im Monat gemeinsam zum Gebet trafen und später auch andere, weltliche Aktivitäten gemeinsam ausübten. | ||
In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In den Jahren 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> Für letztgenanntes Jahr zeichneten sich [[Martin Cirksena]] und [[Hylo Attena]] verantwortlich, die damit andere einflussreiche Amtsträger zur Niederlegung ihrer Ämter drängen wollten.<ref>Köller, André (2015): Agonalität und Kooperation: Führungsgruppen im Nordwesten des Reiches 1250-1550, Göttingen, S. 307</ref> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" /> | In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In den Jahren 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> Für letztgenanntes Jahr zeichneten sich [[Martin Cirksena]] und [[Hylo Attena]] verantwortlich, die damit andere einflussreiche Amtsträger zur Niederlegung ihrer Ämter drängen wollten.<ref>Köller, André (2015): Agonalität und Kooperation: Führungsgruppen im Nordwesten des Reiches 1250-1550, Göttingen, S. 307</ref> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" /> Möglicherweise ist auch in jener Zeit das in Überlieferungen erwähnte Spital erbaut worden, das sich auf dem Grund der heutigen Anschrift [[Am Markt 49]] befunden haben und dem Patron der Seefahrer und Küstenbewohner St. Nikolaus geweiht gewesen sein soll.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 123</ref> | ||
Während der Pestepidemie in der Zeit um 1349 bis 1350 scheinen die Mönche sich soweit erfolgreich isoliert zu haben, dass das Kloster offenbar nicht von der Seuche heimgesucht wurde. Bei der nächsten großen Pestepidemie | Während der Pestepidemie in der Zeit um 1349 bis 1350 scheinen die Mönche sich soweit erfolgreich isoliert zu haben, dass das Kloster offenbar nicht von der Seuche heimgesucht wurde. Bei der nächsten großen [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie von 1350 bis 1360]] scheinen alle Mönche des Klosters dieser erlegen zu sein. Sieben Jahre später sollen jedoch bereits wieder 16 Mönche im Kloster gelebt haben.<ref name=":1" /> Es ist zu vermuten, dass die Dominikanermönchen es den Benediktinermönchen des Klosters Marienthal gleichtaten und bauliche Veränderungen in der Klosterstruktur vornahmen, um Seuchen fortan besser gewappnet zu sein. | ||
Das 14. Jahrhundert ging in die ostfriesische und die Norder Geschichte nicht nur als das Jahrhundert verheerender Seuchen, sondern auch als jenes der Sturmfluten ein. Die Deiche waren durch mehrere schwere Sturmfluten ebenso geschwächt wie die Menschen, sodass die [[Erste Dionysiusflut|Dionysiusfluten]] zum Bruch der Deiche und schwersten Verwüstungen führten. Die Wellen dieser Katastrophenflut sollen bis an die Mauern des Klosters geschlagen und hier ebenso schwere Verwüstungen wie im Umland angerichtet haben.<ref name=":0" /> 1373 retten Mönche zahlreiche Reliquien, Paramente und sonstige Kirchenschätze aus der aufgegebenen Kirche in [[Westeel]].<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 22</ref> | Das 14. Jahrhundert ging in die ostfriesische und die Norder Geschichte nicht nur als das Jahrhundert verheerender Seuchen, sondern auch als jenes der Sturmfluten ein. Die Deiche waren durch mehrere schwere Sturmfluten ebenso geschwächt wie die Menschen, sodass die [[Erste Dionysiusflut|Dionysiusfluten]] zum Bruch der Deiche und schwersten Verwüstungen führten. Die Wellen dieser Katastrophenflut sollen bis an die Mauern des Klosters geschlagen und hier ebenso schwere Verwüstungen wie im Umland angerichtet haben.<ref name=":0" /> 1373 retten Mönche zahlreiche Reliquien, Paramente und sonstige Kirchenschätze aus der aufgegebenen Kirche in [[Westeel]].<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 22</ref> | ||
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Weitere schwere Schäden erlitt das Kloster nach Ostern 1430 bei den Auseinandersetzungen des Häuptlings [[Udo von Norden]], eines Sohnes von Focko Ukena, mit Anhänger des [[tom Brook|Okko II. tom Brook]]. Diese wollten ihren in Norden gefangengehaltenen Häuptling befreien, der bereits zuvor vier Jahre in Leer inhaftiert war und von Ukena im Kloster wohl unter Hausarrest gesetzt wurde. Udos Anhänger flüchteten in das Kloster, das daraufhin erobert, geplündert und schließlich niedergebrannt wurde.<ref name=":1" /> Als Wiedergutmachung soll Okko II. dem Kloster einen Teil seines Vermögens vermacht haben, das von den Mönchen zum Wiederaufbau des Klosters verwendet wurde.<ref name=":0" /> Okko II. verstarb schließlich 1435 in Norden. | Weitere schwere Schäden erlitt das Kloster nach Ostern 1430 bei den Auseinandersetzungen des Häuptlings [[Udo von Norden]], eines Sohnes von Focko Ukena, mit Anhänger des [[tom Brook|Okko II. tom Brook]]. Diese wollten ihren in Norden gefangengehaltenen Häuptling befreien, der bereits zuvor vier Jahre in Leer inhaftiert war und von Ukena im Kloster wohl unter Hausarrest gesetzt wurde. Udos Anhänger flüchteten in das Kloster, das daraufhin erobert, geplündert und schließlich niedergebrannt wurde.<ref name=":1" /> Als Wiedergutmachung soll Okko II. dem Kloster einen Teil seines Vermögens vermacht haben, das von den Mönchen zum Wiederaufbau des Klosters verwendet wurde.<ref name=":0" /> Okko II. verstarb schließlich 1435 in Norden. | ||
Nach den Zerstörungen | Nach den Zerstörungen ist das Kloster offenbar umfassend repariert worden. In einer Urkunde aus dem Jahre 1439 werden Stühle für den Chor der Kirche, Bodenplatten und Kalk genannt, die über Utrecht (Niederlande) nach Norden transportiert wurden.<ref name=":0" /> Am 25. September 1475 erließ der Ordensvorstand ein Handelsverbot gegen das Kloster. Offenbar waren die Handelstätigkeiten der Mönche so umfangreich geworden, dass diese im krassen Gegensatz zu den Ordensidealen - einem Leben in Armut und Besitzlosigkeit - stand. | ||
Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug, die vom Kloster der Dominikaner ausging.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1528 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref> | Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug, die vom Kloster der Dominikaner ausging.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1528 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref> | ||
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1567 gründete [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] hier eine Lateinschule, den Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und finanzierte diese mit Einkünften aus eingezogenem Landbesitz der beiden Norder Klöster.<ref name=":0" /> Bereits seine Mutter [[Anna von Oldenburg]] hegte derartige Pläne. Im Jahre 1613 wurden die verbliebenen, zum Kloster gehörenden Ländereien in einer Größe von immerhin 194 3/4 [[Diemat]] Land nebst einem nicht näher eingrenzbaren Salzwerk mit weiteren fünf Diemat Land von den [[Cirksena]] übernommen.<ref name=":3" /> | 1567 gründete [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] hier eine Lateinschule, den Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und finanzierte diese mit Einkünften aus eingezogenem Landbesitz der beiden Norder Klöster.<ref name=":0" /> Bereits seine Mutter [[Anna von Oldenburg]] hegte derartige Pläne. Im Jahre 1613 wurden die verbliebenen, zum Kloster gehörenden Ländereien in einer Größe von immerhin 194 3/4 [[Diemat]] Land nebst einem nicht näher eingrenzbaren Salzwerk mit weiteren fünf Diemat Land von den [[Cirksena]] übernommen.<ref name=":3" /> | ||
Durch den (partiellen) Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters. | Durch den (partiellen) Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters. Bei den damit einhergehenden Grabungsarbeiten kamen Überreste der umfangreichen Bodenaufschüttungen, die den Bau des Klosters in dieser Form überhaupt erst möglich machten, zum Vorschein.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 66</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 64</ref> Bei Grabungsarbeiten zur [[Kanalisation]] im Jahre 1961 fanden sich neben weiteren Gebäudeteilen auch mehrere, systematisch begrabene Gebeine bzw. menschliche Skelette, was darauf hindeutet, dass die Mönche ihre Verstorbenen auf einem eigenen Friedhof bestatteten.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 39</ref> Weitere Funde wurden bei Erweiterungsarbeiten des Schulgebäudes im Jahre 1992 gemacht. Der Einschätzung der Archäologen zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Überreste eines ehemals freistehenden Gebäudes auf dem Klostergelände.<ref name=":4" /> | ||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
Die südliche Grenze des Klosterarels zog sich von den heutigen Häusern [[Am Markt 51]] bis [[Am Markt 54]] bogenförmig bis zu den Gärten der nördlichen Häuser [[Am Markt]]. Die östliche Grenze war die [[Klosterstraße]].<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 167</ref> Dort befand sich zugleich der Weg vom [[Marktplatz]] zum [[Kloster Marienthal]], wodurch die Straße auch zu ihrem Namen kam. | |||
Auf dem Klostergelände befanden sich die für den Betrieb eines Klosters notwendigen Gebäude wie einen Gebetsraum, eine Küche und einen Speisesaal sowie einen Schlafsaal. Anfänglich bestanden diese Gebäude vor allem aus Holz und ähnelten mehr Baracken, als klostertypischen Steinbauten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Baracken dann durch Backsteinbauten ersetzt. Später wurden auch eine Kapelle und eine Klosterschule erbaut, in der einige Mönche sich auf ihre Studien in entfernten Universitäten vorbereiteten. Überlieferte Namen von Mönchen, die später Universitäten außerhalb der Region besuchten, lassen darauf schließen, dass diese zum größten Teil aus Ostfriesland kamen. Die Häuptlingsgeschlechter [[Attena]] und [[Cirksena]] scheinen maßgeblich an der Befestigung des Klosters beteiligt gewesen zu sein. | |||
Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5.000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref> | Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5.000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref> | ||
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==Nachwirkungen== | ==Nachwirkungen== | ||
Der Heimatforscher Friedrich Sundermann entdeckte in den 1880er Jahren ''Aufrechtes Glaskraut'' auf dem ehemaligen Gelände des Dominikanerklosters und den angrenzenden Grundstücken. Sein Fund geriet in Vergessenheit bis [[Otto Leege]] die Pflanze 1941 neu entdeckte. Er schrieb darüber einen ausführlichen Artikel mit dem Titel „Unkraut, das fast nur in Norden wächst, einst Heilpflanze in Klostergärten, heute Unkraut im Spiet“. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Pflanzen Abkömmlinge des Aufrechten Glaskrauts sind, das vor der Zerstörung des Norder Klosters im Jahr 1531 von Domnikanermönchen als Heilpflanze angebaut wurde. Es diente der historischen Klosterapotheke als Mittel gegen Nierenschwäche, Verstopfung, Hautunreinheiten und Husten. Verabreicht wurde es vor allem als Tee, dem ein wenig Minze beigefügt wurde, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Hier und dort dienten die Glauskrautblätter auch als heilsam Auflage bei Geschwulsten.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 25. Juli 1945</ref> | Der Heimatforscher [[Friedrich Sundermann]] entdeckte in den 1880er Jahren ''Aufrechtes Glaskraut'' auf dem ehemaligen Gelände des Dominikanerklosters und den angrenzenden Grundstücken. Sein Fund geriet in Vergessenheit bis [[Otto Leege]] die Pflanze 1941 neu entdeckte. Er schrieb darüber einen ausführlichen Artikel mit dem Titel „Unkraut, das fast nur in Norden wächst, einst Heilpflanze in Klostergärten, heute Unkraut im Spiet“. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Pflanzen Abkömmlinge des Aufrechten Glaskrauts sind, das vor der Zerstörung des Norder Klosters im Jahr 1531 von Domnikanermönchen als Heilpflanze angebaut wurde. Es diente der historischen Klosterapotheke als Mittel gegen Nierenschwäche, Verstopfung, Hautunreinheiten und Husten. Verabreicht wurde es vor allem als Tee, dem ein wenig Minze beigefügt wurde, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Hier und dort dienten die Glauskrautblätter auch als heilsam Auflage bei Geschwulsten.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 25. Juli 1945</ref> | ||
In Nordwestdeutschland kommt das Kraut erst südlich von Lingen vereinzelt vor, wohin es vermutlich vom Norder Kloster gelangt ist. Auch finden sich Fundstellen auf Borkum und in weiteren Teilen von Norden.<ref>Schreitling, Karl-Theodor (2007): Glaskraut im Klostergarten. Seltene Pflanzen auf Norder Dominikanergelände. In: Heim und Herd. Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Norden, S. 28</ref> | In Nordwestdeutschland kommt das Kraut erst südlich von Lingen vereinzelt vor, wohin es vermutlich vom Norder Kloster gelangt ist. Auch finden sich Fundstellen auf Borkum und in weiteren Teilen von Norden.<ref>Schreitling, Karl-Theodor (2007): Glaskraut im Klostergarten. Seltene Pflanzen auf Norder Dominikanergelände. In: Heim und Herd. Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Norden, S. 28</ref> | ||