Gaststätte Stürenburg: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Gaststätte Stürenburg''' gehörte zu den bekanntesten gastronomischen Einrichtungen der Stadt. Sie befand sich in unmittelbarer Lage am [[Norder Tief]] und war Gründungslokal zahlreicher Norder Vereine, so etwa des [[Wassersportverein Norden|Wassersportvereins]] | Die '''Gaststätte Stürenburg''' (ehemals: ''Gasthof Lantzius; Ippens Gasthof, Gasthof Haak, Gasthof Fleeth, In den gulden Wagen, Johan Hindrichs in de Byhl''; umgangssprachlich auch: ''Sielgasthof'') gehörte zu den bekanntesten und beliebtesten gastronomischen Einrichtungen der Stadt und war insbesondere als Tanzgaststätte überregional bekannt. Sie befand sich in unmittelbarer Lage am [[Norder Tief]] und war Gründungslokal zahlreicher Norder Vereine, so etwa des [[Wassersportverein Norden|''Wassersportvereins'']], des ''[[Männer-Turn-Verein zu Norden]]'' und der [[Freie Turnerschaft|''Freien Turnerschaft von 1903'']]. | ||
Heute befinden sich am Standort der abgebrochenen Gaststätte ein Sonderpostenmarkt sowie ein großes Mehrparteienhaus. | |||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Der Gasthof, der an seiner bekannten Stelle bereits 1570 und erneut 1638 als solcher erwähnt wird, entstand aus mehreren einzelnen Gebäuden, die im Laufe der Zeit miteinander verbunden wurden.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 27</ref><ref name=":1">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 159</ref> Er gehörte zu den beliebtesten und bekanntesten Gastwirtschaften der Stadt und war im Laufe der Jahrhunderte im Besitz verschiedener Familien, so etwa der Familie ''von Lengen''.<ref name=":1" /><ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lengen.pdf Basse-Soltau, Ursula (2001): Biographie des Hinrich Adolf von Lengen], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Letztere waren womöglich auch die ersten Inhaber bzw. Erbauer des Gasthofs, denn in der Biographie des [[Hinrich Adolf von Lengen]] (1784-1829) wird beschrieben, dass der Gasthof bereits dessen Ururgroßvater [[Adolph Eberhard von Lengen]] gehört haben soll.<ref name=":0" /> Zweifellos hatten die Gastwirte die hervorragende Lage an dem um 1570 entstanden [[Norder Hafen]] im Blick, als sie sich hier niederließen. | |||
Viele Vereine und andere Institutionen tagten seit jeher im Gasthof - so etwa die [[Sielacht]] - oder wurden gar hier gegründet.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 52</ref> Bis ins 19. Jahrhundert war der Gasthof zudem das Stammlokal der [[Krämerzunft]] und pensionierter Kapitäne.<ref name=":1" /> In der Regel wurden hier auch ''Torfgeschäfte'' abgeschlossen, was nicht verwunderlich ist, da der Name der früheren Wirtsfamilie [[Folkmar Lantzius|Lantzius]], untrennbar mit der den Torff abbauenden [[Norder Fehngesellschaft]] ist.<ref name=":1" /><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 16</ref> Manchmal fanden auch Versteigerungen statt, wobei diese in der Regel im [[Weinhaus]] abgehalten wurden.<ref name=":1" /> Die Familie Lantzius war seit 1856 im Besitz des Gasthofs.<ref name=":3" /> | |||
1727, während des sogenannten [[Appell-Krieg|''Appell-Kriegs'']], wurde der Gasthof von einer Kanonenkugel getroffen und beschädigt. Diese wurde womöglich aus Richtung der [[Addinggaste]] abgeschossen worden sein und sollte wohl eigentlich eine Verteidigungsstellung treffen.<ref name=":1" /> | |||
Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] befand sich im Gasthof eine sogenannte ''Suppenanstalt'', in der Bedürftige eine Speisung bekamen.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 88</ref> In der Nacht eines Tages im Januar 1932 kam es zu einem Brand in der Gaststätte, der zufällig von einem heimkehrenden Musiker entdeckt wurde. Mit seinem Instrument weckte er die Bewohnern und Nachbarn, woraufhin die [[Feuerwehr Norden|Feuerwehr]] alarmiert wurde. Das auf der Bühne entstandene Feuer konnte rasch gelöscht werden.<ref>Feuerwehr Norden (1986): 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Norden, Norden, S. 46</ref> | |||
Nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] schloss der Gasthof vorerst seine Pforten. Der große Saal wurde von den britisch-kanadischen Besatzungssoldaten für Freizeitaktivitäten beschlagnahmt, die Kegelbahn diente von Dezember 1945 bis März 1946 ehemaligen deutschen Soldaten, die zuletzt in den Niederlanden eingesetzt waren und in der [[Café ten Cate|Bäckerei ten Cate]] beim Brotbacken für das [[Vertriebenenlager Tidofeld]] halfen, als Unterkunft.<ref name=":2">Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 65</ref> | |||
Nach einem Silvesterball am 31. Dezember 1980 schloss die Gaststätte für immer ihre Pforten und wurde kurz darauf abgebrochen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 82</ref> Viele Norder Generationen hatten hier das Tanzen gelernt. Auch diente die Gaststätte seit vielen Jahrzehnten als Ort der Jahreshauptversammlung der [[Feuerwehr Norden]], die diese hier letztmalig am 22. Januar 1980 begehen konnte. Im letzten Jahr ihres Bestehens wurde die Gaststätte noch einmal Tatort eines Brandstifters, der seinerzeit etwa 25 Brände in der Stadt legte, unter anderem auch in [[Metas Musikschuppen]].<ref>Freiwillige Feuerwehr Norden (1986): 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref> | |||
Die letzte Inhaberin [[Gisela Stürenburg]] zog nach der Schließung der Gastwirtschaft nach [[Norddeich]] und betrieb dort seitdem eine Pension. Ihre Vorgänger waren ab 1901 [[Otto Haak]], danach [[Johannes Fleeth]], ab 1919 [[Heinrich Stürenburg]] und von 1952 bis 1962 [[Poppe Stürenburg]].<ref name=":2" /> Wahrscheinlich noch vor Haak war der Gasthof im Besitz eines Gastwirts namens Ippen, denn auf alten Bilder findet sich die Aufschrift ''Ippens Gasthof''. | |||
==Trivia== | |||
In der Zeit um 1812 hatte das Gebäude die [[Hausnummerierung|alten Hausnummern]] 157 und 158.<ref>Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 1</ref><ref name=":3">Schreiber, Gretje (1994): Die Bewohner der Brück- und Dammstraße</ref> Später - und noch zu Zeiten des Gasthofs - hatte das Gebäude dann die Anschrift ''[[Dammstraße]] 5'', während die Nummer 1 damals noch die heutige Anschrift ''[[Neuer Weg 61 B]]'' war.<ref name=":3"/> | |||
==Galerie== | |||
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Datei:Norder Tief Brückstraße Ippens Gasthof 1905 02.jpg|Der Bootsanleger (links) des Gasthofs. Mittig die [[Alte Mühlenbrücke]] (vermutlich vor 1890) | |||
Datei:Dammstraße Ippens Gasthof später Stürenburg um 1920 01.jpg|Blick aus Richtung der [[Deichmühle]] (vermutlich vor 1890). | |||
Datei:Dammstraße Gasthof Haak Stürenburg um 1900.jpg|''[[Otto Haak|Otto Haak's]] Gasthof'' auf einer Ansichtskarte aus der Zeit um 1900. | |||
Datei:Norder Tief vor Stürenburg 1920 01.jpg|Bootsfahrer auf dem [[Galgentief]] vor dem Anleger der Gaststätte (um 1920). | |||
Datei:Dammstraße Stürenburg Norder Tief um 1970 01.jpg|Blick vom [[Norder Tief]] in der Zeit um 1970. | |||
Datei:Dammstraße Stürenburg Norder Tief um 1970 02.jpg|Blick vom [[Norder Tief]] in der Zeit um 1970. | |||
Datei:Dammstraße Stürenburg um 1980 01.jpg|Blick von der [[Dammstraße]] (um 1980) | |||
Datei:Dammstraße Stürenburg um 1980 02.jpg|Blick vom [[Norder Tief]] in der Zeit um 1980. | |||
Datei:Dammstraße Stürenburg vor Abriss 1981 01.jpg|Kurz vor dem Abriss im Jahre 1981. | |||
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==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Gasthof Jerusalem]] | *[[Gasthof Jerusalem]] | ||
*[[Bäckerei Stürenburg]] | |||
[[Kategorie:Gastwirtschaften im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Gastwirtschaften im Stadtgebiet]] | ||