Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 5: Zeile 5:
Soltau wurde als jüngerer von zwei Söhnen des aus Schwarme bei Hoya an der Weser stammenden [[Reinhard Heinrich Soltau]] und seiner zweiten Ehefrau [[Henrietta Louise Soltau|Henrietta Louise Soltau, geb. Ries]] in Norden geboren. Die Familie wohnte zu dieser Zeit am [[Neuer Weg 2|Neuer Weg 2-3]], wo der Vater eine Buchbinderei betrieb. Neben seinem Bruder hatte Diedrich Gerhard noch drei Schwestern.
Soltau wurde als jüngerer von zwei Söhnen des aus Schwarme bei Hoya an der Weser stammenden [[Reinhard Heinrich Soltau]] und seiner zweiten Ehefrau [[Henrietta Louise Soltau|Henrietta Louise Soltau, geb. Ries]] in Norden geboren. Die Familie wohnte zu dieser Zeit am [[Neuer Weg 2|Neuer Weg 2-3]], wo der Vater eine Buchbinderei betrieb. Neben seinem Bruder hatte Diedrich Gerhard noch drei Schwestern.


Nach dem Tod des Vaters 1859 musste Diedrich Gerhard seine Mutter und seine Schwestern versorgen, da der ältere Bruder Christoph schon vor 1851 in die USA ausgewandert war. Er betrieb die väterliche Buchbinderei und Buchhandlung weiter, die Gewerbeerlaubnis hierzu erhielt er am 21. Januar 1861, 14 Tage später auch das [[Bürgerrecht]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 114</ref> Ab 1866 unterhielt er auch eine Kunst- und Musikalienhandlung und mindestens 15 Jahre lang Nähmaschinenvertretungen, u.a. als Hauptagentur für die Firma ''Singer'' aus New York.
Nach dem Tod des Vaters 1859 musste Diedrich Gerhard seine Mutter und seine Schwestern versorgen, da der ältere Bruder Christoph schon vor 1851 in die USA ausgewandert war. Er betrieb die väterliche Buchbinderei und Buchhandlung weiter, die Gewerbeerlaubnis hierzu erhielt er am 21. Januar 1861, 14 Tage später auch das [[Bürgerrecht]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 114</ref> Ab 1866 unterhielt er auch eine Kunst- und Musikalienhandlung und mindestens 15 Jahre lang Nähmaschinenvertretungen, unter anderem als Hauptagentur für die Firma ''Singer'' aus New York.


1863 verlegte er sein erstes (philosophisches) Buch (J. H. Frerichs, Geist und Herz, 2. Aufl. 1878), dem schnell weitere Titel folgten. Am 1. Juli 1867 eröffnete er eine Buchdruckerei, in der der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] gedruckt wurde, ab Juni 1868 auch die Norderneyer Bade-Zeitung und ab 1869 jährlich der Kalender Der Hausfreund, zu dem sich später noch diverse andere gesellen sollten: Ab 1875 der bekannte Christophorus der Stelzfuß, ab 1914 umbenannt in Ostfreesland - Kalender für Jedermann. Insgesamt brachte der Verleger in den 31 Jahren bis zu seinem Tod 597 Buchtitel, fünf Kalender-Reihen, zwei Zeitungen und drei Zeitschriften heraus.  
1863 verlegte er sein erstes (philosophisches) Buch (J. H. Frerichs, Geist und Herz, 2. Aufl. 1878), dem schnell weitere Titel folgten. Am 1. Juli 1867 eröffnete er eine Buchdruckerei, in der der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] gedruckt wurde, ab Juni 1868 auch die ''Norderneyer Badezeitung'' und ab 1869 jährlich der Kalender ''Der Hausfreund'', zu dem sich später noch diverse andere gesellen sollten: Ab 1875 der bekannte ''Christophorus der Stelzfuß'', ab 1914 umbenannt in ''Ostfreesland-Kalender für Jedermann''. Insgesamt brachte der Verleger in den 31 Jahren bis zu seinem Tod 597 Buchtitel, fünf Kalender-Reihen, zwei Zeitungen und drei Zeitschriften heraus.  


Zwischen  1880  und  1884  erreichte  Soltau,  dass  der  Verein für  niederdeutsche Sprachforschung den Soltau-Verlag zu seinem Hausverlag machte. Hier erschienen bis 1927 alle Veröffentlichungen des Vereins, sowohl die Periodica als auch Monographien. Gedruckt hatte Soltau schon bis zur Emder Gewerbeausstellung 1888 für eigene bzw. fremde Rechnung 696 Titel. Seine Verlagsprodukte wurden von Berlin bis Basel, von Hamburg bis Leipzig besprochen, da er einem Verbund von 28 christlichen Verlagen angehörte.
Zwischen 1880 und 1884 erreichte Soltau, dass der Verein für niederdeutsche Sprachforschung den Soltau-Verlag zu seinem Hausverlag machte. Hier erschienen bis 1927 alle Veröffentlichungen des Vereins, sowohl die Periodica als auch Monographien. Gedruckt hatte Soltau schon bis zur Emder Gewerbeausstellung 1888 für eigene bzw. fremde Rechnung 696 Titel. Seine Verlagsprodukte wurden von Berlin bis Basel, von Hamburg bis Leipzig besprochen, da er einem Verbund von 28 christlichen Verlagen angehörte.


Vom ersten Erscheinungstag des Kuriers an, bis zu seinem Tode 1894 blieb Soltau alleiniger Redakteur der  Zeitung,  die  so  schnell  wuchs,  dass  er  die  gutgehende Buchhandlung samt Leihbücherei schon am 1. Januar 1870 verkaufte. In Norden erschien seit 1848 das liberale [[Norder Stadtblatt]] des [[Johann Friedrich Schmidt]] (Auflage 750) und ab 1865 der welfische [[Der Telegraph|Telegraph]]. Als dessen überschuldeter Verleger von Bloh 1867 aufgab, belieferte Soltau die 480 Abonnenten weiter mit seiner konservativen Zeitung, dem Kurier. Schon 1868 hatte er 1000 Abonnenten.
Vom ersten Erscheinungstag des Kuriers an, bis zu seinem Tode 1894 blieb Soltau alleiniger Redakteur der Zeitung, die so schnell wuchs, dass er die gutgehende Buchhandlung samt Leihbücherei schon am 1. Januar 1870 verkaufte. In Norden erschien seit 1848 das liberale [[Norder Stadtblatt]] des [[Johann Friedrich Schmidt]] (Auflage 750) und ab 1865 der welfische [[Der Telegraph|Telegraph]]. Als dessen überschuldeter Verleger von Bloh 1867 aufgab, belieferte Soltau die 480 Abonnenten weiter mit seiner konservativen Zeitung, dem Kurier. Schon 1868 hatte er 1.000 Abonnenten.


1872 (bei  1245 Abonnenten = drittgrößte von elf Zeitungen in Ostfriesland) zog Soltau um in das [[Gräfliches Haus|Gräfliche Haus]]. 1885 wurde der Kurier amtliches Kreisblatt, 1890 (bei 3600 Abonnenten) stellte das ''Norder Stadtblatt'' sein Erscheinen ein. Trotz zeitweiliger Konkurrenz durch andere Blätter lasen bei Soltaus Tod 1894 4000 Familien den Kurier.
1872 (bei 1.245 Abonnenten, dadurch drittgrößte von elf Zeitungen in Ostfriesland) zog Soltau in das [[Gräfliches Haus|Gräfliche Haus]]. 1885 wurde der Kurier amtliches Kreisblatt, 1890 (bei 3.600 Abonnenten) stellte das ''Norder Stadtblatt'' sein Erscheinen ein. Trotz zeitweiliger Konkurrenz durch andere Blätter lasen bei Soltaus Tod im Jahre 1894 ganze 4.000 Familien den Kurier.


Neben seinem unternehmerischen Engagement war Soltau auch ein wohltätiger und frommer Mann. So unterstützte er zusammen mit anderen Norder Bürgern die Armen und Kranken und unterhielt eine Suppenküche. Im [[Verein für freiwillige Armenpflege]] war er als Armenpfleger aktiv und gründete 1881 eine „Pfennig-Sparkasse“, die schnell erfolgreich auf Norderney, in Aurich und Emden kopiert wurde. Schließlich bewirkte Soltau zum 13. März 1885 die Einrichtung einer ''Herberge zur Heimat'' im [[Engenahof]], um bei Frost arbeitslosen, wandernden Handwerksburschen billig eine Übernachtung und günstiges Essen geben zu können.
Neben seinem unternehmerischen Engagement war Soltau auch ein wohltätiger und frommer Mann. So unterstützte er zusammen mit anderen Norder Bürgern die Armen und Kranken und unterhielt eine Suppenküche. Im [[Verein für freiwillige Armenpflege]] war er als Armenpfleger aktiv und gründete 1881 eine ''Pfennig-Sparkasse'', die schnell erfolgreich auf Norderney, in Aurich und Emden kopiert wurde. Schließlich bewirkte Soltau zum 13. März 1885 die Einrichtung einer ''Herberge zur Heimat'' im [[Engenahof]], um bei Frost arbeitslosen, wandernden Handwerksburschen billig eine Übernachtung und günstiges Essen geben zu können. Diese Armenspeisung wurde noch bis in das Jahr 1933 angeboten.<ref>Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 6</ref>


== Familie ==
== Familie ==
Seine Frau [[Marie Elisabeth Soltau]], geb. Eiben, aus Berum gebar ihm fünf Kinder, von denen nur die älteste Tochter Louise sowie [[Otto Soltau|Otto G. Soltau]] und [[Heinrich Soltau]] groß wurden. Sie arbeitete ab 1891 mit in der [[Kinderbewahranstalt|Pflegeanstalt für Kinder unbemittelter Eltern]], wie nach ihr noch zwei Generationen von Frauen der Soltaus. Soltau setzte sich sehr dafür ein, dass aus dem Norder Progymnasium ein Vollgymnasium wurde, schickte auch seine Söhne dahin. Otto G. und Heinrich heirateten spät, führten die Firma gemeinsam bis 1922 und teilten sie dann, sodass der ''Ostfriesische Kurier'' an Heinrich fiel, der auch weiter Bücher verlegte.
Seine Frau [[Marie Elisabeth Soltau]], geb. Eiben, aus Berum gebar ihm fünf Kinder, von denen nur die älteste Tochter Louise sowie [[Otto Soltau|Otto G. Soltau]] und [[Heinrich Soltau]] groß wurden. Sie arbeitete ab 1891 mit in der [[Kinderbewahranstalt|Pflegeanstalt für Kinder unbemittelter Eltern]], wie nach ihr noch zwei Generationen von Frauen der Soltaus. Soltau setzte sich sehr dafür ein, dass aus dem [[Ulrichsgymnasium]] wieder ein Vollgymnasium wurde und schickte auch seine Söhne dahin. [[Otto Soltau|Otto]] und [[Heinrich Soltau|Heinrich]] heirateten spät, führten die Firma gemeinsam bis 1922 und teilten sie dann, sodass der ''Ostfriesische Kurier'' an Heinrich fiel, der auch weiterhin Bücher verlegte.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==