Gräfliches Haus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Das '''(Hoch-)Gräfliche Haus''' wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von [[Edzard Ferdinand Cirksena]] erhalten, der hier als ''Graf von Norden'' residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma [[Otto G. Soltau GmbH]], wobei der Betrieb nur den rechten, ursprünglichen Teil des einst wesentlich größeren Hauses einnimmt. Der linke Teil wurde 1906 für den Bau des [[Postamt|Postamtes]] abgebrochen und beherbergte dieses bis zum Neubau.
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Der linke, nördliche Teil wurde auch als ''Altes Gräfliches Haus'' bezeichnet, der rechte, südliche Teil als ''Neues Gräfliches Haus''.  
|Entstehungszeit
|frühes 17. Jahrhundert
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|Erbauer
|Katharina von Schweden
|-
|Bauweise
|Ziegelsteinbau
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|Erhaltungszustand
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|Genaue Lage
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26506 Norden
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__NOTOC__
Das '''(Hoch-)Gräfliche Haus''' wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von [[Edzard Ferdinand Cirksena]] erhalten, der hier als ''Graf von Norden'' residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma [[Otto G. Soltau GmbH]].  


__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Das erst später so genannte ''Gräfliche'' bzw. ''Hochgräfliche Haus'' wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Ursprünglich erstreckte es sich auf zwei Grundstücke mit den [[Hausnummerierung|einstigen Hausnummern]] 6 1/2 und 7 bzw. 8. Wann genau die Umnummerierungen folgten, lässt sich nicht mehr gänzlich nachvollziehen. Nachfolgend wird daher die Nr. 7 für den linken, nördlichen Teil benutzt und Nr. 8 für den rechten, südlichen Teil.
===ehem. Nr. 7===
Als erster bekannter Eigentümer des Hauses 7 wurde der 1625 verstorbene Hofgerichtssekretär [[Viglius Wiarda|Dr. Viglius Wiarda]] im Jahre 1627 erwähnt. Ihm folgte als Eigentümerin bis mindestens 1632 seine Witwe.<ref name=":22">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 31</ref>
Zwischen 1694 und 1708 ließ [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich von Ostfriesland]] (siehe auch Abschnitt ''ehem. Nr. 8'') auf Grundstück 7 und 8 beide Bestandsbauten vereinigen und vergrößern. Die rechtliche Trennung der Grundstücke blieb jedoch bestehen.<ref name=":5">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 33</ref>
Am 20. Juli 1755 erwarb der [[Ratsherr]] [[Gerhard Thodens Thoden]] das aus vier Oberkammern, einem großen Saal, fünf Hinterkammern, zwei Küchen und einem ansehnlichen Vorhaus nebst zweier gewölbter Keller und einer Scheune bestehende Anwesen von Fürstin Marie Charlotte von Ostfriesland (1689-1761) zum Preis von gerade einmal 2.000 Gulden.<ref name=":4">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 32</ref> Seit 1793 gehörte der Familie Thoden (van Felsen oder Velsen) auch das [[Haus Vienna]].<ref name=":1" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref>
Nur wenige Tage später, am 21. August 1755 verkaufte Thoden dem ''Baron von Closter,'' vermutlich Gerhard Sigismund Baron von Closter (1717-1776) den östlichen Flügel des Gebäudes sowie den südlich liegenden Keller.<ref name=":4" /><ref name=":1" /><ref name=":0" /> Der Baron hatte diesen bereits seit geraumer Zeit gemietet. Das gesamte Haus wurde seit dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":1" /><ref name=":0" /> Den restliche Teil des Hauses behielt Thoden für sich. Nach seinem Tod erbten seine vier Töchter den verbliebenen Besitz am Haus.<ref name=":5" />
Die Töchter verkauften den Besitz am 8. Juli 1782 an Justizrat Hedden für 4.082 Gulden. Am 27. März 1786 erwarb der ehemalige [[Bürgermeister]] Nordens, [[Enno Ludwig Franzius]], den Teil des Hauses. Von diesem wiederum ging es am 14. Mai 1791 an Karl Gustav Freiherr von Inn- und Knyphausen aus Leer zum Preis von 2.300 Reichstalern.<ref name=":5" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref>
Der [[Magistrat]] kaufte der Familie Inn- und Knyphausen das Haus am 6. Oktober 1851 ab.<ref name=":6" /> Am 24. Januar 1859 verkaufte der Magistrat das Gebäude sodann dem königlichen Generalpostdirektorium für 3.400 Taler in Gold.<ref name=":6" /> Von da an bis zur Fertigstellung des [[Postamt|Neuen Postamts]] bzw. bis zum Abriss für den Neubau befand sich hier das Kaiserliche Postamt.<ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9</ref>
===ehem. Nr. 8===
Erster bekannter Eigentümer der Nr. 8 war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Dessen Witwe [[Dirkjen König]] verkaufte das Haus am 8. Dezember 1630 an [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II. von Ostfriesland]].<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 36</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]], durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die [[Cirksena|Cirksenas]] in den europäischen Hochadel aufstiegen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>
Dr. Alteneich hatte das Haus vermutlich bereits vor 1601 erworben und im Jahre 1618 wohl zumindest teilweise an einen Mann namens ''Hermann'' vermietet. Graf Ulrich II. wiederum vermietete das Haus in der Zeit um 1645 offenbar an den Rechtsgelehrt (''Licentiat'') [[Henricus Stürenburg]].<ref name=":7">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 37</ref>
1665 wurde das Haus von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena|Ulrich II.]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />
Bereits drei Jahre später, 1668, starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich und Marie Charlotte geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. Zwischen 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]].<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Seitdem umfasste das Gräfliche Haus sowohl die (damalige) Hausnummer 7 als auch 8.


Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584 - 1638) aus dem Hause Wasa, Witwe des [[Edzard II. Cirksena]].<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>
Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte [[Gasthof Jerusalem]] (seinerzeit Nr. 9).<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44</ref> Sie verkaufte den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt [[Ocke Meewes Verwer|Ocke Meewes Verwer (oder Verver)]] für 4.700 Reichstaler in Gold.<ref name=":6">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 35</ref><ref name=":7" /> Auf Antrag Ververs wurde 1872 der östliche Grundstücksteil sowie die Scheune von der Nr. 8 abgetrennt und dem Gasthof Nr. 9 zugeschrieben.<ref name=":3" /><ref name=":7" />


1665 wurde das Gebäude von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des [[Caspar Alteneich]] erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />
1861 bis 1922 der [[Soltau Kurier Norden]] und seit der Trennung nur noch die Druckerei von [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Soltau hatte den rechten Gebäudeteil seit 1861 gepachtet und wurde 1872 Eigentümer.<ref name=":7" /> Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref> 2023 war das Gebäude einige Monate zum Verkauf inseriert.


1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]]. 1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie ''von Closter'' erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem [[Stadtrat|Ratsherren]] aus der niederländisch-ostfriesischen Familie ''Thoden van Felsen''.<ref name=":1" /> 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav aus Leer).<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref>
==Beschreibung==
Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten [[Postamt|Postamtes]] nichts mehr vorhanden.


Bis zum Bau des [[Postamt|Postamtes]] im Jahre 1908 diente das Gebäude als solches.<ref name=":2" /> Um Platz für den Bau zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass heute nur noch der rechte übrig ist, in dem sich seit 1922 die Druckerei [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Seit dem 30. April 2015 ist hier zudem der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref>
==Trivia==
[[Datei:Am Markt 6 - 06042003.jpg|mini|Am Markt 6 - Aufnahme vom 6. April 2003.]]
Unmittelbar nach Beginn des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] brachte der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied ''Die Wacht am Rhein''.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14</ref>


== Beschreibung ==
==Galerie==
Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm ist nichts mehr vorhanden.
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Datei:Am Markt Postamt um 1915 07.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1872.
Datei:Am Markt Postamt 1910 01.jpg|Vor dem Bau des [[Postamt|Postamtes]] befand sich dieses im benachbarten Gräflichen Haus (um 1880).
Datei:Am Markt Ost Gräfliches Haus um 1900 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1900.
Datei:Am Markt Gräfliches Haus Hochgräfliches Haus Kaiserliches Postamt um 1900 01.jpg|Nähere Ansicht (ebenfalls um 1900). Rechts die heutige Eingangstür zu [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]].
Datei:Am Markt 6 - 06042003.jpg|Aufnahme vom 6. April 2003.
Datei:Am Markt 6 - Radio Nordseewelle - (2 Tage nach Sendestartbeginn).jpg|Mit [[Radio Nordseewelle]], zwei Tage nach Sendestartbeginn - Aufnahme vom 2. Mai 2015.
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Haus Vienna]]
*[[Haus Vienna]]
*[[Schloss Tidofeld]]


[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Aktuelle Version vom 5. März 2024, 16:08 Uhr

Gräfliches Haus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1694-1708
Erbauer Katharina von Schweden
Bauweise Schlossähnliche Stadtvilla
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 6

26506 Norden

Das (Hoch-)Gräfliche Haus wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von Edzard Ferdinand Cirksena erhalten, der hier als Graf von Norden residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma Otto G. Soltau GmbH, wobei der Betrieb nur den rechten, ursprünglichen Teil des einst wesentlich größeren Hauses einnimmt. Der linke Teil wurde 1906 für den Bau des Postamtes abgebrochen und beherbergte dieses bis zum Neubau.

Der linke, nördliche Teil wurde auch als Altes Gräfliches Haus bezeichnet, der rechte, südliche Teil als Neues Gräfliches Haus.

Geschichte

Das erst später so genannte Gräfliche bzw. Hochgräfliche Haus wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Ursprünglich erstreckte es sich auf zwei Grundstücke mit den einstigen Hausnummern 6 1/2 und 7 bzw. 8. Wann genau die Umnummerierungen folgten, lässt sich nicht mehr gänzlich nachvollziehen. Nachfolgend wird daher die Nr. 7 für den linken, nördlichen Teil benutzt und Nr. 8 für den rechten, südlichen Teil.

ehem. Nr. 7

Als erster bekannter Eigentümer des Hauses 7 wurde der 1625 verstorbene Hofgerichtssekretär Dr. Viglius Wiarda im Jahre 1627 erwähnt. Ihm folgte als Eigentümerin bis mindestens 1632 seine Witwe.[1]

Zwischen 1694 und 1708 ließ Friedrich Ulrich von Ostfriesland (siehe auch Abschnitt ehem. Nr. 8) auf Grundstück 7 und 8 beide Bestandsbauten vereinigen und vergrößern. Die rechtliche Trennung der Grundstücke blieb jedoch bestehen.[2]

Am 20. Juli 1755 erwarb der Ratsherr Gerhard Thodens Thoden das aus vier Oberkammern, einem großen Saal, fünf Hinterkammern, zwei Küchen und einem ansehnlichen Vorhaus nebst zweier gewölbter Keller und einer Scheune bestehende Anwesen von Fürstin Marie Charlotte von Ostfriesland (1689-1761) zum Preis von gerade einmal 2.000 Gulden.[3] Seit 1793 gehörte der Familie Thoden (van Felsen oder Velsen) auch das Haus Vienna.[4][5]

Nur wenige Tage später, am 21. August 1755 verkaufte Thoden dem Baron von Closter, vermutlich Gerhard Sigismund Baron von Closter (1717-1776) den östlichen Flügel des Gebäudes sowie den südlich liegenden Keller.[3][4][6] Der Baron hatte diesen bereits seit geraumer Zeit gemietet. Das gesamte Haus wurde seit dieser Zeit auch Kloster genannt, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.[4][6] Den restliche Teil des Hauses behielt Thoden für sich. Nach seinem Tod erbten seine vier Töchter den verbliebenen Besitz am Haus.[2]

Die Töchter verkauften den Besitz am 8. Juli 1782 an Justizrat Hedden für 4.082 Gulden. Am 27. März 1786 erwarb der ehemalige Bürgermeister Nordens, Enno Ludwig Franzius, den Teil des Hauses. Von diesem wiederum ging es am 14. Mai 1791 an Karl Gustav Freiherr von Inn- und Knyphausen aus Leer zum Preis von 2.300 Reichstalern.[2][7]

Der Magistrat kaufte der Familie Inn- und Knyphausen das Haus am 6. Oktober 1851 ab.[8] Am 24. Januar 1859 verkaufte der Magistrat das Gebäude sodann dem königlichen Generalpostdirektorium für 3.400 Taler in Gold.[8] Von da an bis zur Fertigstellung des Neuen Postamts bzw. bis zum Abriss für den Neubau befand sich hier das Kaiserliche Postamt.[7][9]

ehem. Nr. 8

Erster bekannter Eigentümer der Nr. 8 war der Hofgerichtsassessor Dr. Caspar Alteneich.[6] Dessen Witwe Dirkjen König verkaufte das Haus am 8. Dezember 1630 an Graf Ulrich II. von Ostfriesland.[10] Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von Graf Edzard II., durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die Cirksenas in den europäischen Hochadel aufstiegen.[4]

Dr. Alteneich hatte das Haus vermutlich bereits vor 1601 erworben und im Jahre 1618 wohl zumindest teilweise an einen Mann namens Hermann vermietet. Graf Ulrich II. wiederum vermietete das Haus in der Zeit um 1645 offenbar an den Rechtsgelehrt (Licentiat) Henricus Stürenburg.[11]

1665 wurde das Haus von Edzard Ferdinand, dem dritten Sohn von Ulrich II. bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als Graf von Norden in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das Ekeler Torenhus.[6]

Bereits drei Jahre später, 1668, starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn Friedrich Ulrich fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich und Marie Charlotte geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. Zwischen 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des Alten Rathauses.[6][4] Seitdem umfasste das Gräfliche Haus sowohl die (damalige) Hausnummer 7 als auch 8.

Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte Gasthof Jerusalem (seinerzeit Nr. 9).[12] Sie verkaufte den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt Ocke Meewes Verwer (oder Verver) für 4.700 Reichstaler in Gold.[8][11] Auf Antrag Ververs wurde 1872 der östliche Grundstücksteil sowie die Scheune von der Nr. 8 abgetrennt und dem Gasthof Nr. 9 zugeschrieben.[12][11]

1861 bis 1922 der Soltau Kurier Norden und seit der Trennung nur noch die Druckerei von Otto G. Soltau befindet.[13] Soltau hatte den rechten Gebäudeteil seit 1861 gepachtet und wurde 1872 Eigentümer.[11] Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender Radio Nordseewelle ansässig.[14] 2023 war das Gebäude einige Monate zum Verkauf inseriert.

Beschreibung

Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten Postamtes nichts mehr vorhanden.

Trivia

Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkriegs brachte der Ostfriesische Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied Die Wacht am Rhein.[15]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 31
  2. 2,0 2,1 2,2 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 33
  3. 3,0 3,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 32
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191
  5. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70
  7. 7,0 7,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192
  8. 8,0 8,1 8,2 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 35
  9. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9
  10. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 36
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 37
  12. 12,0 12,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44
  13. Internetseite des Soltau Kurier Norden, abgerufen am 12. März 2021
  14. Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, abgerufen am 8. Mai 2021
  15. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14

Siehe auch